Im österreichischen Winter, wenn die Hühnerschar eng zusammensteht, um sich zu wärmen, bemerken Sie vielleicht ein Huhn, das abseits steht. Für Anfänger mag es wie eine ruhige Pause aussehen. Doch erfahrene Hühnerhalter wissen: Das ist oft das erste und wichtigste Warnsignal, das die Natur sendet. Dieser unscheinbare Hinweis kann den Unterschied bedeuten zwischen einem gesunden Bestand und einer sich verschlimmernden Krise, die Ihr gesamtes Geflügel bedroht.
Wenn eine Henne die Gruppe verlässt: Mehr als nur ein kleiner Rückzug
Hühner sind soziale Tiere. Ihr Überlebensinstinkt ist eng mit der Gemeinschaft verbunden. In der kalten Jahreszeit, wo jede Wärme zählt, ist der Zusammenhalt der Gruppe entscheidend. Wenn sich eine Henne aus eigenem Antrieb zurückzieht, widerspricht sie zutiefst ihrem eigenen Wesen. Das ist kein Zeichen von Laune, sondern ein deutliches Alarmzeichen.
Körperliche Anzeichen, die Sie nicht ignorieren sollten
Fällt Ihnen auf, dass eine Ihrer Hennen weniger aktiv ist als die anderen oder still im Hühnerstall verharrt, während der Rest der Truppe nach Futter pickt? Das ist ein dringender Grund zur Sorge. Sie fängt an, sich von der Gruppe zu distanzieren. Eine Henne, die schwach ist, ist ein leichtes Ziel für Raubtiere und manchmal sogar für ihre Artgenossen. Sich abzusondern ist ein Verteidigungsmechanismus, eine verzweifelte Hoffnung, in Ruhe leiden zu können.

Achten Sie auf folgende körperliche Signale:
- Aufgestelltes Gefieder: Während Federn im Winter helfen, die Körperwärme zu speichern, sollte eine gesunde Henne normalerweise ein glattes Gefieder haben. Wenn sie ständig aufgeplustert ist, kämpft sie wahrscheinlich gegen Fieber oder Unterkühlung.
- Eingezogener Kopf: Oft zieht die Henne den Kopf in die Schultern oder steckt ihn tagsüber unter den Flügel.
- Trübes oder halb geschlossenes Auge: Ein Zeichen von Schmerz oder starker Erschöpfung.
- Krankheitsbedingter Rückzug: Die normale Haltung ist aufrecht und wachsam. Wenn die Henne aber gekrümmt dasitzt oder sich in eine Ecke verkriecht, ist das auffällig.
Die Futteraufnahme und die Veränderungen der Ausscheidungen
Eine gesunde Henne ist normalerweise sehr hungrig. Selbst gut gefüttert, widert sie Leckerbissen oder frische Gemüsereste nicht an. Wenn Ihre Henne anfängt, weniger zu fressen oder sogar einen Wurm zu ignorieren, ist ihr Stoffwechsel ernsthaft gestört. Drücken Sie am Abend vorsichtig ihren Kropf: Ist er leer oder flach, hat sie nicht gefressen. Ist er weich und aufgebläht, könnte das auf eine Verstopfung hindeuten.
Veränderungen bei den Ausscheidungen sind ebenfalls wichtige Indikatoren:
- Schwefelgelbe Kot: Kann auf Leberprobleme oder eine bakterielle Infektion hinweisen.
- Blut im Kot: Ein klares Zeichen für Kokzidiose – ein absoluter Notfall.
- Anhaltender dünner, grüner Durchfall: Besonders alarmierend, wenn er sich von den normalen, festen Hinterlassenschaften der anderen Hennen unterscheidet.
Was tun, wenn Sie diese Zeichen bemerken? Die Sofortmaßnahme zur Rettung
Wenn Sie diese Kombination von Symptomen – Isolation, aufgeplustertes Gefieder, Appetitlosigkeit oder Verdauungsprobleme – bemerken, ist schnelles Handeln unerlässlich. Sie müssen die kranke Henne sofort vom Rest der Gruppe trennen. Diese Quarantäne erfüllt zwei wichtige Zwecke: Zum einen schützt sie den Rest des Bestandes vor einer möglichen Ansteckung mit Parasiten oder Atemwegsviren, die im Winter häufig vorkommen. Zum anderen gibt sie der kranken Henne die nötige Ruhe für ihre Genesung.

Richten Sie für die Henne ein separates, zugfreies und trockenes Quartier ein, zum Beispiel in einer grossen Kiste oder in einem Hundekäfig. Bieten Sie ihr viel Einstreu für Wärme. Stellen Sie lauwarmes Wasser bereit (damit sie keine Energie zum Aufwärmen des Wassers verschwendet), eventuell mit etwas Apfelessig oder Vitaminen angereichert. Geben Sie ihr leicht verdauliches, energiereiches Futter.
Regelmässige Beobachtung: Ihr bester Vorbeugungsplan
Wie bei jedem Lebewesen ist Prävention der Schlüssel zur Gesundheit. Zehn Minuten tägliche Beobachtung Ihrer Hühner am Morgen, während Sie Ihren Kaffee trinken, sind keine verlorene Zeit. Es ist eine Investition in die Gesundheit Ihres gesamten Geflügels. Achten Sie darauf, ob eine Henne hinkt oder spät aufsteht. Regelmässige Reinigung des Hühnerstalls, besonders im feuchten Jänner, ist entscheidend. Und kontrollieren Sie auf rote Milben – sie sind ein häufiger Stressfaktor für Ihre Tiere.
Eine Henne ist zwar widerstandsfähig, aber wenn sie erst einmal deutliche Krankheitssymptome zeigt, ist es oft schon zu spät. Ihre Wachsamkeit ist ihre beste Lebensversicherung. Wenn Sie lernen, dass eine Henne, die sich zurückzieht, tatsächlich leidet, können Sie oft schnell eingreifen und das Tier mit einfacher Wärme und Ruhe retten.
Nehmen Sie sich also bei Ihrem nächsten Gang zum Hühnerstall wirklich Zeit, Ihre gefiederten Freunde genau zu beobachten. Achten Sie darauf, dass alle präsent und aktiv sind. Was sind Ihre grössten Herausforderungen beim Halten von Hühnern im Winter?

