Wir alle haben sie: Die „Lade der Schande“. Meistens wohnt sie in der Küche oder im Vorzimmer, und sie ist der Endgegner jeder Ordnungsliebe in Österreich. Was landet dort? Halbleere Batterien, verrostete Schlüssel, und irgendwo dazwischen ein einzelner, mysteriöser Gummiring. Wofür ist der gleich wieder? Keine Ahnung! Aber wegschmeißen? Lieber nicht, man könnte ihn ja noch brauchen.
In meiner Praxis als Ordnungsexperte habe ich dutzende solcher Schubladen gesehen. Und ich habe bemerkt: Dieser Zustand der latenten Unordnung kostet uns nicht nur Nerven beim Suchen, sondern auch wertvolle Lebenszeit. Doch heute machen wir Schluss mit dem Horten von „vielleicht nützlich“-Kram. Wir misten radikal aus. Beginnen wir dort, wo der Schmerz am größten ist – die Dinge, die sofort weg müssen.
Der Schockzustand: Warum der Blick in die leere Lade befreiend ist
Die erste Regel ist brutal: Ziehen Sie die Lade komplett leer. Breiten Sie den gesamten Inhalt auf dem Küchen- oder Esstisch aus. Ich verspreche Ihnen: Der Anblick wird schlimmer sein, als Sie dachten. Aber genau das ist der Punkt. Manchmal müssen wir das volle Ausmaß des Chaos sehen, um die notwendige Wut (oder Entschlossenheit) zum Entrümpeln zu finden.

Ich habe festgestellt, dass wir dabei Dinge finden, von denen wir nicht einmal wussten, dass wir sie besitzen. Und genau diese lassen uns sofort zur Tat schreiten. Hier sind die 5 Dinge, die Sie ohne Zögern in den Müll (oder ins Recycling) werfen können:
- Das Kabelknäuel ohne Stecker: Eine Ansammlung von Kabeln, die zu keinem einzigen Gerät in Ihrem Haushalt mehr passen. Oft handelt es sich um Micro-USB-Kabel von Handys, die vor fünf Jahren ausrangiert wurden. Weg damit!
- Leere Werbe-Kugelschreiber und trockene Stifte: Werbekugelschreiber von lokalen Supermärkten (Billa, Spar) oder Messen, die schon beim ersten Versuch aufhören zu schreiben. Diese nehmen nur Platz weg. Entsorgen Sie sie.
- Halbe Rollen Klebeband ohne Abroller: Ein Rest Tixo – ohne passende Halterung. Man versucht es meistens mit den Fingern abzukneifen, scheitert und verschiebt es. Es ist kein nützliches Werkzeug mehr, sondern Müll.
- Mysteröse Kleinteile: Dies sind die „Was-zur-Hölle-ist-das?“-Teile. Ein einzelner Möbelbeschlag, ein fremder Schlüssel oder der titelgebende Gummiring. Wenn Sie innerhalb von 3 Sekunden die Funktion nicht nennen können, ist es wertlos.
- Uralte Kassenzettel: Rechnungen von Jö-Punkten oder Einkäufen im Merkur aus dem letzten Jahr. Wenn die Garantiezeit abgelaufen ist, dienen diese Zettel nur als Staubfänger und Papiermüll.
Das Prinzip des „Notfall-Kästchens“: Der Gnadenfrist für Zweifelnde
Besonders tückisch sind Gegenstände mit der Aufschrift „Vielleicht-brauche-ich-das-noch“. Alte Ladekabel für ein iPod Nano, den Sie vor zehn Jahren verschenkt haben? Ciao. Gebrauchsanweisungen für den Toaster, der vor drei Jahren eingegangen ist? Unnötiger Ballast.
Mein praktischer Tipp: Legen Sie sich ein kleines „Notfall-Kästchen“ zu – eine kleine Schachtel, die maximal 5 unsichere Gegenstände aufnehmen darf. Wenn Sie diese Dinge in den nächsten drei Monaten nicht benötigt haben, dann wissen Sie: Sie werden sie nie brauchen. Seien Sie radikal.

Clever organisieren: Ordnung, die bleibt
Nach dem radikalen Aussortieren kommt der angenehme Teil. Jetzt bändigen wir das Chaos mit Struktur. Ein häufiger Fehler ist, alles nur wieder wahllos hineinzulegen.
Stattdessen müssen Sie für jeden Gegenstand ein Zuhause schaffen. Das erreichen Sie am besten mit Schubladen-Organizern. Ich empfehle, nach modularen Systemen zu suchen, die Sie je nach Größe der Lade (zum Beispiel in der Standard-Küchenlade im IKEA-Korpus) anpassen können.
So bringen Sie Struktur in den Kram:
- Kategorisieren: Sortieren Sie Gleiches zu Gleichem. Stifte zu Stiften, Batterien zu Batterien, Büroklammern in ein eigenes, kleines Fach. Das spart Ihnen Zeit, anstatt in einem Haufen zu wühlen.
- Kleine Fächer nutzen: Für wirklich kleine Teile wie USB-Sticks oder Gummibänder eignen sich Sortierboxen, wie man sie oft für Nägel oder Schrauben im Baumarkt (z.B. OBI oder Hornbach in Österreich) findet. Sie sind robust und ideal für Kleinkram.
- Die Ein-für-Eins-Regel anwenden: Damit die Lade nicht in drei Wochen wieder überquillt, gilt: Für jeden neuen Gegenstand, der hineinkommt, muss ein alter raus. Das ist die Disziplin, die dauerhaft Ordnung schafft.
Das Geniale an festen Plätzen: Wenn alles seinen Platz hat, fällt es viel schwerer, etwas „schnell hineinzuwerfen“. Ordnung wird zur befreienden Routine.
Wie oft misten Sie Ihre „Lade der Schande“ aus? Und was war das Mysteriöseste, das Sie darin gefunden haben? Erzählen Sie es uns in den Kommentaren!

