Die jährliche Heizkostenabrechnung löst bei vielen ein mulmiges Gefühl aus, besonders in Österreich, wo die Energiepreise oft schwindelerregend wirken. Vielleicht haben Sie sich auch schon dabei ertappt, wie Sie zögerlich den Thermostat in die Hand nehmen und überlegen: Muss das Heizen wirklich schon sein? Die gute Nachricht: Nein. Ich habe in meiner Praxis fünf geniale, fast vergessene Tricks gesammelt, die Ihre Wohnung spürbar wärmer machen, ohne dass das Gas- oder Fernwärmemessgerät in die Höhe schnellt.
Warum 1 Grad weniger einen Unterschied macht, den Sie nicht nur im Geldbörsl spüren
Das ist der einfachste und oft am meisten unterschätzte Tipp: Gewöhnen Sie sich an eine etwas niedrigere Grundtemperatur. Ich weiß, es klingt banal, aber hier steckt viel Potenzial drin.
In Österreich gilt oft die 21-Grad-Regel als Standard. Aber wussten Sie, dass bereits ein Grad weniger bis zu sechs Prozent Energie einspart? Das ist keine kleine Summe am Ende der Saison.
- Stellen Sie das Schlafzimmer auf 18 Grad ein – gesünder Schlafen ist der Bonus.
- Testen Sie, ob 19 Grad im Wohnzimmer ausreichen, wenn Sie einen dicken Pulli tragen.
- Nutzen Sie die „Wärme von innen“: Ein heißer Tee oder eine heiße Suppe wärmen effektiver, als Sie denken.
Die „Papiertest“-Methode: Wie Sie kalte Luft an der Quelle stoppen
Viele glauben, dicke Wände sind der einzige Kälteschutz. Falsch! Der größte Wärmeverlust entsteht oft durch hauchdünne Ritzen an Fenstern und Türen. Das sind quasi kleine, unsichtbare Kaminzüge, durch die Ihre teuer bezahlte Wärme ins Freie entweicht.
Der Trick der Profis: So testen Sie die Dichtheit selbst
Holen Sie sich ein Blatt Papier. Platzieren Sie es zwischen den Fensterrahmen und dem geschlossenen Fensterflügel. Lässt sich das Blatt ohne Widerstand herausziehen? Dann haben Sie ein Leck.

Das Gute daran: Sie müssen keinen Handwerker rufen. Dichtungsbänder aus dem Baumarkt (Achten Sie auf langlebige Gummidichtungen, nicht nur auf Billig-Schaumstoff) sind die Lösung. Diese Investition von vielleicht zehn Euro zahlt sich oft schon innerhalb des ersten Monats aus.
Die Magie der dunklen Vorhänge und die Sache mit dem Backrohr
Viele vernachlässigen die Funktion von Jalousien und Vorhängen im Kampf gegen die Kälte. Tagsüber lassen wir die Sonne rein – logisch. Aber sobald es dunkel wird, kehrt sich die Situation um. Die Fensterscheibe ist jetzt der kälteste Punkt im Raum.
Mein Tipp, den viele übersehen: Ziehen Sie Rollos, Jalousien und dicke Vorhänge schon in der Dämmerung zu. Sie bilden eine isolierende Luftschicht zwischen der kalten Außenscheibe und dem warmen Zimmer. Das funktioniert wie eine dritte Fensterscheibe.
Die Restwärme aus der Küche einfangen
Sind Sie gerade dabei, sich einen Strudel oder einen Sonntagsbraten im Backofen zuzubereiten? Wunderbar. Sobald das Gerät ausgeschaltet ist, öffnen Sie die Backofentür. Die ganze gespeicherte Wärme, die sonst nutzlos in der Küche feststecken würde, verteilt sich nun im Wohnraum. Das ist energiesparend und erhöht die Raumtemperatur um ein bis zwei Grad.
Achtung: Achten Sie darauf, dass dies nicht zur Gewohnheit wird, wenn Kleinkinder oder Haustiere im Haushalt sind, um Verbrennungen zu vermeiden.
Kerzen und Teelichtöfen: Gemütlichkeit mit Heizleistung
Wenn Sie ohnehin gerne Kerzen anzünden, um eine gemütliche österreichische Atmosphäre zu schaffen, machen Sie alles richtig. Die Wärmeentwicklung von Kerzen wird oft drastisch unterschätzt.

Wer mehr Leistung möchte, greift zum Trend der „Teelichtöfen“, manchmal auch als „Stövchen“ bekannt. Diese kleinen Konstrukte aus Terrakotta-Töpfen nutzen das Prinzip der Konvektion, um die Wärme mehrerer Teelichter besser zu speichern und effektiver abzugeben.
Aber hier gibt es einen Vorbehalt: Zu viele Kerzen an einer Stelle können die Rußkonzentration in der Luft erhöhen, was nicht ideal ist. Nutzen Sie diese Methode daher mit Bedacht und sorgen Sie für kurze, kräftige Lüftungsstöße.
Der wichtigste Part: Stoßlüften und die Schimmelgefahr
All diese Maßnahmen helfen, aber es gibt einen Fehler, den Sie auf keinen Fall machen dürfen: Das Lüften vergessen, weil Sie ja die Wärme drin behalten wollen.
Wenn die Wohnung dauerhaft zu kalt ist, kondensiert die hohe Luftfeuchtigkeit an den kalten Wänden. Das Ergebnis? Schimmel. Und das ist teuer, ungesund und schwer wieder loszuwerden.
Deshalb gilt:
- Kipplüften ist Energieverschwendung und nutzlos gegen Schimmel.
- Stoßlüften ist das A und O: Öffnen Sie die Fenster für 5 bis maximal 10 Minuten vollständig (Querlüften ist am besten), damit die feuchte Luft rasch entweicht, die Wände aber nicht auskühlen.
- Machen Sie das drei- bis viermal täglich, besonders nach dem Duschen oder Kochen.
Wenn Sie diese fünf simplen Schritte – Fenster abdichten, Rollos schließen, Restwärme nutzen, Kerzen einsetzen und effizient lüften – konsequent befolgen, werden Sie überrascht sein, wie viel später Sie die Zentralheizung einschalten müssen. Werden Sie diesen Winter den Thermostaten niedrig lassen?

