Wenn Sie Hühner halten, kennen Sie das Dilemma: Kartoffeln sind billig und sättigend, aber viele sind sich unsicher, ob sie wirklich gesund für das Geflügel sind. Ich habe mich lange mit diesem Thema beschäftigt und festgestellt, dass ein weit verbreiteter Fehler uns allen das Leben schwer macht: Wir betrachten Kartoffeln entweder als Wundermittel oder als Gift.
Aber die Wahrheit liegt, wie so oft, in der Mitte. Eine Kartoffel ist für Hühner keine verbotene Frucht, sie ist aber auch kein Grundnahrungsmittel. Vor allem der Umgang mit grünen Knollen entscheidet, ob Sie Ihren Tieren einen Gefallen tun – oder sie unnötig belasten. Hier erfahren Sie, wie die Profis in Österreich damit umgehen.
Der große Irrtum: Darum sind rohe oder grüne Kartoffeln tabu
In meiner Praxis stoße ich immer wieder auf den Rat, man solle Hühnern rohe Kartoffeln zur Beschäftigung geben. Das ist ein großer Irrtum. Rohe Knollen sind nicht nur schwer verdaulich, sie bringen dem Geflügel nicht den erwarteten Nährwert.
Viel wichtiger ist die Farbe. Grüne Stellen an der Kartoffel sind kein kosmetischer Makel, sondern ein Warnsignal der Natur. Sie zeigen eine Ansammlung spezifischer natürlicher Verbindungen an, die für Hühner (genauso wie für uns Menschen) potenziell problematisch sind. Viele übersehen diesen Punkt und versuchen, die Knollen zu schälen oder zu mischen, um sie „auszutricksen“.

Das sollten Sie strikt unterlassen. Erfahrene Geflügelzüchter handeln kompromisslos:
- Grüne Kartoffeln werden niemals in irgendeiner Form verfüttert.
- Sogar Kochen neutralisiert die unerwünschten Stoffe nicht vollständig.
- Das beste und sicherste Vorgehen ist die Entsorgung im Restmüll oder auf dem Kompost – aber auf keinen Fall im Futtertrog.
Denken Sie daran: Ein paar gesparte Euro stehen in keinem Verhältnis zur Gesundheit Ihrer Tiere.
So machen Sie Kartoffeln zum nützlichen Futterzusatz
Kartoffeln sind für Hühner am wertvollsten, wenn sie gekocht und als Zusatzfutter serviert werden. Speziell in der kälteren Jahreszeit – denken Sie an einen kalten Februar in Niederösterreich – brauchen Hühner energiereiche und leicht verdauliche Nahrung, um ihre Körpertemperatur zu halten. Gekochte Kartoffeln erfüllen diesen Zweck perfekt.
Die einfache Formel der Profis: Kochen, mischen, abkühlen
Der Mechanismus ist einfach: Durch das Kochen werden die Kartoffeln weich, sättigend und gut verdaulich. Aber es gibt Nuancen, die Sie beachten müssen, um das beste Ergebnis zu erzielen:
- Verwenden Sie nur hochwertige, ungekeimte und nicht vergrünte Knollen.
- Die Kartoffeln ohne Salz, ohne Fleischwasser und ohne Gewürze kochen. Reines Wasser genügt.
- Kartoffeln nach dem Kochen abkühlen lassen, zerkleinern und mit Getreide oder Gemüse mischen. Die Kartoffel dient als Bindemittel.
Die goldene Regel: Mäßigung ist König. Füttern Sie Kartoffeln nur in kleinen Portionen, idealerweise 1- bis 2-mal pro Woche. Sie sollen den Speiseplan ergänzen, nicht das nützliche Getreide oder Grünfutter verdrängen.

Der Fütterungsexperte, den ich bei meiner Recherche in der Steiermark traf, erklärte es mir metaphorisch: „Kartoffeln sind wie ein leckerer Nachtisch. Sie spenden Energie und machen satt, aber Sie können nicht nur davon leben.“
Warum die Vielfalt wichtiger ist als die Kartoffel selbst
Wer Hühner über Jahre erfolgreich hält, schaut nicht nur auf einzelne Produkte, sondern auf das große Ganze: die Aktivität der Tiere, der Zustand des Gefieders und der Appetit. Nur eine ausgewogene und vielseitige Ernährung macht Hühner wirklich robust und produktiv.
Wenn Sie Kartoffeln als vernünftigen Zusatz verwenden, entlasten Sie den Verdauungstrakt der Tiere nicht und halten ihren Speiseplan abwechslungsreich. Die Kartoffel ist weder ein Feind noch eine Panazee. Sie ist ein gewöhnlicher, unterstützender Inhaltsstoff, der einen klugen Umgang erfordert.
Wie handhaben Sie die Kartoffelreste in Ihrem Haushalt? Teilen Sie Ihre Erfahrungen in den Kommentaren!

