Die Wahrheit tut weh: In fast jedem österreichischen Haushalt gibt es diese eine Schublade. Man könnte sie das „schwarze Loch der Dinge“ nennen. Dort landen leere Batterien, mysteriöse Schlüssel, uralte USB-Sticks und jenes ominöse Kleingeld, das man sowieso nie zur Hand hat. Für uns alle ist das der Endgegner der Organisation, der uns jedes Mal ein schlechtes Gewissen bereitet.
Aber ich habe bemerkt: Messies sind wir deswegen nicht. Wir brauchen nur eine *andere* Strategie. Denn traditionelles Aufräumen ist anstrengend und hält selten länger als eine Woche. Wenn Ihnen das bekannt vorkommt, lesen Sie jetzt weiter. Ich zeige Ihnen, wie Sie dieses Chaos mit vier einfachen Hacks und den richtigen Organisern – die es schon beim Billa oder Obi gibt – für immer besiegen.
Der Schock-Moment: Warum Sie wirklich alles rausholen müssen
Die meisten scheitern schon am Anfang. Man versucht, das Chaos zu ordnen, während der halbe Inhalt noch drinnen ist. Das ist so, als würde man versuchen, einen Grazer Sturz während einer Wanderung zu organisieren. Es funktioniert nicht.
Mein wichtigster Rat als Ordnungs-Expertin: Seien Sie gnadenlos und leeren Sie die Lade komplett. Breiten Sie den gesamten Inhalt auf einem Tisch oder dem Küchenboden aus. Sie werden überrascht sein, wie viel Müll Sie horten, etwa:
- Ein Knäuel aus Kabeln, das garantiert zu keinem Ihrer aktuell genutzten Geräte mehr passt.
- Die Gebrauchsanweisung für den Toaster, den Sie vor zehn Jahren auf dem Flohmarkt verkauft haben.
- Vertrocknete Filzstifte und leere Kaugummipapiere.
- Mysteriöse Plastikteile, deren Existenz Sie sich nicht erklären können („Was zur Hölle ist das?“).
Das Ausmaß des Chaos zu sehen, ist der erste Schritt zur Besserung. Es visualisiert das Problem, und das ist ein starker Motivator.

Die radikale Ausmist-Strategie: Das „Vielleicht“ ist Ihr Feind
Jetzt kommt der schmerzhafteste, aber wichtigste Schritt: Aussortieren. In meiner Praxis begegne ich immer wieder dem tückischsten aller Feinde: „Das könnte ich ja noch brauchen.“ Spoiler-Alarm: Sie werden es nicht. Wie oft haben Sie in den letzten sechs Monaten nach diesem halb leeren USB-Stick oder dem einzelnen Gummiring gesucht? Wahrscheinlich nie.
Gehen Sie jedes Teil nach diesen drei Fragen durch:
- Habe ich diesen Gegenstand im letzten Jahr gebraucht?
- Wenn er morgen weg wäre, würde ich ihn *wirklich* vermissen?
- Besitze ich bereits eine bessere, funktionierende Version davon?
Wenn die Antwort nicht dreimal „Ja“ ist, muss das Teil weg. Alte Ladekabel für Nokia-Handys? Sofort in den Elektronikschrott. Und hier ist ein spezieller Tipp für Österreicher:
Der Notfall-Box-Trick: Lizenz zum Zögern
Wenn Ihnen das Wegwerfen schwerfällt, richten Sie eine kleine „Notfall-Box“ ein. Diese darf maximal die Größe eines Schuhkartons haben und nur 5 bis 7 Gegenstände enthalten, bei denen Sie unsicher sind. Ich wette: Wenn Sie diesen Karton in drei Monaten nicht öffnen mussten, können Sie ihn ungeöffnet entsorgen. Seien Sie ehrlich zu sich selbst.
Die geheime Waffe der Profis: Flexible Organizer
Das beste Aufräumen bringt nichts, wenn die Struktur nicht hält. Hier liegt der Unterschied zwischen einem einmaligen Putz und dauerhafter Ordnung. Ich habe festgestellt, dass starre Einteilungen oft versagen. Besser performen in den sogenannten „Chaos-Laden“ flexible, modulare Organizer.
Warum flexible Systeme? Weil sich der Inhalt unserer Chaos-Schubladen ständig ändert. Mal brauchen Sie mehr Platz für Stifte, mal mehr für Adapter. Starre Besteckkästen sind zwar nett, aber viel genialer sind individuell anpassbare Fächer, die man schieben kann.
Auch sehr praktisch für winzige Gegenstände wie Büroklammern, Radiergummis oder SIM-Karten-Nadeln sind kleine Sortierboxen, wie man sie normalerweise für Schrauben und Nägel im Baumarkt kauft.

Clever einräumen – so wird Ordnung zur Routine
Wenn Sie nun genügend Organizer haben, folgt der entscheidende Schritt. Ordnen Sie alles nach Kategorien. Das hilft Ihrem Gehirn, den Überblick zu bewahren:
- Energie-Zone: Batterien (neue und kaputte trennen!), Ladekabel.
- Schreib-Zone: funktionierende Stifte, Marker, Notizblöcke.
- Mini-Kram-Zone: Büroklammern, Gummiringe, kleine Schlüssel.
Das Geniale daran: Wenn jeder Gegenstand seinen festen, sauberen Platz hat, fällt das unreflektierte „einfach reinschmeißen“ viel schwerer. Ihre innere Stimme wird Sie daran hindern, diese neue Ordnung zu zerstören.
Die wichtigste Regel gegen den Rückfall: Die Ein-für-eins-Strategie
Ordnung ist kein Zustand, sondern ein Prozess. Damit Ihre Lade nicht in drei Wochen wieder wie ein Schlachtfeld aussieht, brauchen Sie eine einfache Pufferlösung, die auch in Österreich gut funktioniert: die Ein-für-eins-Regel.
Sie ist denkbar einfach: Für jeden neuen Gegenstand, der in die Schublade wandert, muss ein alter raus. Kaufen Sie einen neuen Kugelschreiber? Werfen Sie den alten, der nicht mehr schreibt, weg. Das hält die Gesamtmenge des „Krams“ konstant niedrig.
Ergänzend dazu empfehle ich ein Mini-Ritual: Machen Sie es sich zur Gewohnheit, einmal im Monat – vielleicht beim Warten auf den Kaffee – kurz die Schublade durchzugehen und alles Unnötige auszusortieren. Das dauert bei einem organisierten System keine drei Minuten, spart aber langfristig stundenlange Aufräum-Aktionen. So bleibt Ihre Schreckens-Lade dauerhaft sauber.
Und Sie? Welche versteckten Dinge, die keiner braucht, haben Sie in Ihrer Chaos-Schublade gefunden? Ein einzelner alter Euro-Cent? Ein Plastikteil einer IKEA-Möglichkeit? Schreiben Sie es in die Kommentare!

