Kennen Sie das unangenehme Gefühl, wenn ein Besucher zum ersten Mal in Ihre Wohnung kommt? Wir reinigen das Wohnzimmer und das Bad, aber die Küche ist der wahre Stolperstein. Viele Wiener oder Grazer (Anm. d. Red.: Wir Österreicher lieben unsere Küchen) denken, solange das Geschirr sauber ist, passt alles.
Dabei übersehen wir drei unscheinbare Zonen, die der Gast nicht nur sieht, sondern unbewusst sofort bewertet. Ich habe als ehemaliger Innenarchitekt gelernt: Ein aufgeräumter Raum signalisiert Kontrolle. Und wenn diese drei Punkte chaotisch sind, wirkt die ganze Wohnung chaotisch. Lesen Sie jetzt, welche Bereiche das sind und wie Sie das Problem in fünf Minuten beheben.
Der Staubfänger: Ihr Gewürzregal
Hand aufs Herz: Wann haben Sie das letzte Mal Ihr Gewürzregal abgewischt? Oder die Oberseite der Küchenkästen? Wir alle nutzen Zimt, Paprika und Curry regelmäßig, aber die Ablageflächen werden oft ignoriert – bis ein Gast neugierig wird. Das ist der visuelle Schmutzfink Nummer eins.
Man selbst nimmt den dünnen Staubfilm oder die getrockneten Curry-Reste nicht mehr wahr. Doch ein Besucher, der kurz darüber nachdenkt, was er kochen soll oder ob er sich einen Tee machen kann, wirft unweigerlich einen Blick auf diese Details. Und nichts ist unangenehmer als ein Gewürzschrank, der aussieht, als würde er seit der letzten Weltmeisterschaft nicht mehr geputzt.

- Der Schmutzeffekt: Staub und Fett setzen sich gerne auf rauen Oberflächen und Gewürzgläsern ab.
- Die Botschaft an den Gast: „Hier wird nicht gründlich geputzt, nur oberflächlich.“
- Der schnelle Tipp: Nehmen Sie alle Gläser heraus, wischen Sie die Ablage mit einem fettlösenden Reiniger ab. Ein feuchtes Mikrofasertuch wirkt wahre Wunder.
Der praktische Mehrwert: Ordnung mit Methode
Ich habe in meiner Praxis gesehen, dass drehbare Gewürzkarussells in Österreich gerade wieder in Mode kommen. Sie sehen gut aus, aber sie sind wahre Staubfänger. Besser sind geschlossene Schubladen. Wenn Sie offene Regale haben, gruppieren Sie die Gläser nach Farbe oder Höhe – das kaschiert den Staub besser, bis Sie Zeit zum Putzen haben.
Die Landezone: Der Küchentisch/Die Arbeitsplatte
Dieser Punkt betrifft besonders uns, die wir die Küche als zentralen Lebensraum sehen. Der Küchentisch wird schnell zur «Allzweck-Ablagefläche». Die Post aus der Bank, der Schlüsselbund, die Einkaufszettel, die Handtasche – alles landet hier „nur kurz“.
Das Problem: Aus „kurz“ wird „dauerhaft“. Und wenn Ihr Gast vor einem Haufen von Krimskrams sitzt, fühlt er sich unwillkommen oder zumindest überfordert. Die Arbeitsplatten und der Tisch sollten den Zweck erfüllen, für den sie gedacht sind: Essen, Trinken, Geselligkeit.
Stellen Sie sich vor, Sie sitzen bei einem Kaffee und statt einer schönen Vase mit Schnittblumen (jetzt im Frühling passen Pfingstrosen perfekt!) blicken Sie auf Ihr unbezahltes Parkticket. Das lenkt ab und wirkt stressig.
- Sofort-Check: Ist mehr als ein Gebrauchsgegenstand (Handy, Laptop) auf dem Tisch? Dann ist es zu viel.
- Die goldene Regel: Der Tisch ist kein Briefkasten. Entleeren Sie ihn täglich vor dem Abendessen.
- Der Tipp für den Schlüssel: Richten Sie eine feste Schlüsselstation in der Nähe der Tür ein – ein kleiner Haken oder ein dekoratives Schälchen im Flur, NICHT in der Küche.

Der Ärgernis-Speicher: Offene Verpackungen
Dieser Punkt ist besonders schmerzhaft bei modernen, offenen Küchen (wie man sie oft in Neubauten in Wien findet). Ob Haferflocken, Reis, Nudeln oder Mehl – wir reißen die Packung auf, rollen sie schnell zusammen und stellen sie behelfsmäßig in den Schrank. Oder wir stapeln uns die verschiedenen Teesorten wild übereinander.
Offene, halbvolle Kartons oder Tüten wirken sofort unordentlich und signalisieren, dass hier die Dinge nicht zu Ende gedacht wurden. Zudem sehen sie oft unappetitlich aus, weil das Essen nicht geschützt ist. Das ist nicht nur ein optisches, sondern auch ein Hygiene-Problem.
Werfen Sie einen Blick in Ihren Schrank, wenn die Türen offen stehen. Was sehen Sie? Chaos oder Struktur?
- Die Lösung für Schränke: Lagern Sie alles, was geöffnet ist, in dicht verschließbaren Vorratsgläsern oder Dosen (besonders wichtig in Altbauten, um Motten fernzuhalten!).
- Der Tee-Trick: Kaufen Sie spezielle Teekisten oder füllen Sie die Beutel in eine dekorative Dose. Das sieht nicht nur hochwertiger aus, sondern schützt das Aroma.
- Verstecken ist erlaubt: Wenn Sie keine Vorratsdosen kaufen möchten, verstauen Sie unschöne Verpackungen zumindest in geschlossenen Schränken und nicht in offenen Regalen.
Im Grunde geht es darum, die Küche nicht nur funktional, sondern repräsentativ zu halten. Diese drei Bereiche – das Gewürzregal, der Küchentisch und die Verpackungen – sind die schnellsten Wege, um das Niveau Ihrer Küche anzuheben, ohne dass Sie einen Euro für neue Möbel ausgeben müssen.
Haben Sie noch einen vierten Bereich in der Küche, den Sie sofort aufräumen, bevor Gäste kommen? Teilen Sie uns Ihren besten „Notfall-Tipp“ in den Kommentaren mit!

