Deshalb stellen Experten die 19-Grad-Regel in Ihrem Zuhause in Frage

Deshalb stellen Experten die 19-Grad-Regel in Ihrem Zuhause in Frage

Wenn es ums Heizen geht, gilt die berühmte 19-Grad-Regel als unantastbar. Aber ist das wirklich die optimale Temperatur, um Komfort und Energiekosten unter einen Hut zu bringen? Viele Österreicher kämpfen jeden Winter mit der Frage: Spare ich genug, oder friere ich umsonst?

Ich habe festgestellt, dass viele glauben, diese Zahl sei ein Gesetz, dabei ist sie oft nur ein Kompromiss. Energieexperten sind sich einig: Diese 19-Grad-Empfehlung ist veraltet und berücksichtigt weder moderne Isolierung noch Ihre persönlichen Bedürfnisse. Es ist Zeit, diese Gewohnheit zu hinterfragen, um diesen Winter wirklich intelligent zu heizen.

Warum die 19-Grad-Regel in modernen Wohnungen oft versagt

Die Magie der 19 Grad stammt noch aus der Ölkrise der 1970er Jahre. Damals ging es darum, den nationalen Verbrauch drastisch zu senken – in Gebäuden, die deutlich schlechter isoliert waren als heute in Linz oder Wien. Heute führt das Festhalten an dieser Zahl oft zu unnötigem Unbehagen.

Nick Barber, ein Experte für Energiemanagement, erklärt, dass 19 °C eine theoretische Messgröße ist, die individuelle Unterschiede ignoriert. In meiner Praxis bemerke ich immer wieder: Wer sich auf dem Sofa unwohl fühlt, dreht am Ende doch kurzzeitig voll auf und verschwendet so mehr Energie, als wenn er konstant 20 °C gehalten hätte.

Drei Gründe, warum 19 °C in Ihrem Zuhause nicht funktionieren muss:

  • Die Dämmung Ihres Hauses: Schlechte Fenster oder dünne Wände (typisch für viele ältere Mietshäuser in Österreich) lassen die gefühlte Temperatur bei 19 °C rapide sinken.
  • Ihre Aktivität: Wer am Home-Office-Schreibtisch starr sitzt, friert schneller als beim Kochen.
  • Die Luftfeuchtigkeit: Ein zu feuchtes Raumklima macht die Wärme bei 19 °C als klamm empfunden, während trockene Luft schnell als zugig wahrgenommen werden kann.

Brad Roberson, Spezialist für Heizsysteme, ergänzt: Die Erwartungen an thermischen Komfort haben sich geändert. Schon 20 °C bieten oft das bessere Gleichgewicht zwischen Wohlfühlen und Sparsamkeit – vor allem, wenn Sie die Wärme richtig verteilen.

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Das Geheimnis der Zonenheizung: So sparen auch Sie in der Steiermark

Der größte Fehler: Sie versuchen, das ganze Haus gleichmäßig zu heizen. Dabei hat jeder Raum eine andere Funktion. Wer seine Heizung klug steuert, kann die Gesamtkosten senken, ohne zu frieren.

Ihr individuelles Heizschema sollte wie ein Maßanzug sitzen, nicht wie Konfektionsware. So optimieren Sie Raum für Raum:

  • Wohnzimmer/Esszimmer: Streben Sie 20 °C an. Hier verbringen Sie die meiste Zeit entspannt.
  • Schlafzimmer: 16 bis 18 °C sind ideal. Experten bestätigen, dass eine kühlere Umgebung gesünder ist und den Schlaf verbessert.
  • Badezimmer: Kurzzeitig 22 °C, aber nur während der Duschzeit. Danach sofort wieder absenken.
  • Flure und wenig genutzte Räume: 17 °C genügen, um ein „Ausfrieren“ zu verhindern und die Grundtemperatur im Haus zu halten.

Die spezifische Utility: Ein Beispiel aus Wien zeigt, dass das Absenken der Temperatur in ungenutzten Räumen um nur 2 Grad bis zu 10 % der Heizkosten einsparen kann, ohne dass der Hauptwohnraum beeinträchtigt wird.

Der Insider-Tipp: Die zwei Dinge, die jeder Österreicher bei der Heizung vergisst

Wir reden viel über das Thermostat, aber selten über die physikalischen Helfer. Hier sind praktische Tipps, die den Unterschied machen:

Investition in einfache Dämmung und die Sonnen-Taktik

Die teuerste Wärme ist die, die durchs Fenster verschwindet. Viele übersehen, dass sie mit geringem Aufwand die Effizienz massiv steigern können.

  • Dicke Vorhänge nutzen: Schließen Sie Vorhänge und Rollos sofort nach Einbruch der Dunkelheit. Dies wirkt wie eine zusätzliche Isolierschicht gegen kalte Fensterscheiben.
  • Türen geschlossen halten: Halten Sie die Türen zu kühleren Räumen (wie unbeheizte Abstellkammern) geschlossen, damit sich die warme Luft nicht unnötig verteilt.
  • Die Gratis-Heizung: Öffnen Sie an sonnigen Wintertagen die Vorhänge und lassen Sie die Sonne herein. Das ist kostenlose Wärme. Schließen Sie sie aber wieder, sobald die Sonne weg ist.

Brad Roberson betont die Macht smarter Thermostate, die heute in vielen österreichischen Baumärkten erhältlich sind. Sie lernen Ihre Gewohnheiten und heizen nicht, wenn Sie das Haus verlassen, was massive Verschwendung verhindert.

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Vorsicht: Deshalb sollten Sie niemals unter 19 °C heizen

Während eine leichte Erhöhung auf 20 °C für das Wohlbefinden gut sein kann, ist das Gegenteil – zu starkes Absenken der Temperatur, um kostenbewusst zu sein – riskant für Ihre Gesundheit. Die Sparsamkeit hat eine Grenze.

Temperaturen deutlich unter 19 °C können gesundheitliche Folgen haben:

  • Erhöhtes Krankheitsrisiko: Zu kühle Luft schwächt die Schleimhäute der Atemwege, was Sie anfälliger für Erkältungen und Grippe macht.
  • Herz-Kreislauf-Belastung: Der Körper muss mehr Energie aufwenden, um die Kerntemperatur zu halten. Das belastet das Herz, besonders bei älteren oder anfälligen Personen.
  • Schimmelgefahr: Zu kalte Wände erhöhen die Kondensation und fördern Schimmelbildung – das gefährdet nicht nur Ihre Gesundheit, sondern auch die Bausubstanz Ihrer Wohnung.

Es geht also darum, die goldene Mitte zu finden: Der wahre thermische Komfort liegt dort, wo sich Ihre Gesundheit und Ihr Geldbeutel gleichermaßen wohlfühlen.

Das Fazit für diesen Winter

Die 19-Grad-Regel ist kein Befehl, sondern eine historische Empfehlung. Der Schlüssel zu einem warmen und sparsamen Winter liegt nicht in einer einzelnen Zahl, sondern in einem intelligenten, zonenbasierten Management.

Vielleicht sind 20 °C die neue ideale Temperatur für Ihr Wohnzimmer, wenn Sie im Gegenzug das Schlafzimmer auf 17 °C kühlen. Mit modernen Tools und den richtigen Gewohnheiten können Sie Ihren Verbrauch optimieren, ohne sich ständig Sorgen um die nächste Rechnung machen zu müssen.

Sind Sie bereit, Ihre Heizgewohnheiten diesen Winter neu zu erfinden und die 19 Grad zu vergessen? Teilen Sie uns mit, welche Temperatur bei Ihnen zu Hause am besten funktioniert!

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