Die Strompreise in Österreich steigen, und Sparlethargie macht sich breit. Jeder sucht nach Wegen, die Energiekosten in den Griff zu bekommen. Viele glauben, sie könnten ihren Warmwasserbereiter kontrollieren, indem sie ihn nur jeden zweiten Tag einschalten. Die Vorstellung ist verlockend: weniger Stromverbrauch, niedrigere Rechnung. Aber unsere Daten zeigen, dass diese oft empfohlene Spartaktik ein Mythos mit Tücken ist, der Ihr Gerät im schlimmsten Fall sogar beschädigen kann.
Lesen Sie weiter, denn wir zeigen Ihnen, warum diese Intervall-Strategie in 90 % der Haushalte kontraproduktiv ist und welche einfache Einstellung Ihnen wirklich 15 % der Kosten spart – ganz ohne Sicherheitsrisiko.
Warum „Alle zwei Tage ausschalten“ eine teure Illusion ist
Ein Warmwasserbereiter (Boiler) ist in den meisten österreichischen Haushalten der größte Stromfresser, abgesehen von Heizung oder Klimaanlage. Er speichert warmes Wasser in einem isolierten Tank, typischerweise zwischen 55 °C und 60 °C.
Der Preis des Hochfahrens: Ein Kampf gegen die Physik
Wenn Sie das Gerät ausschalten, kühlt das Wasser im Tank langsam ab. Nach 24 oder 48 Stunden ist es deutlich kälter. Beim Wiedereinschalten muss das Heizelement nicht nur die normalen Wärmeverluste ausgleichen, sondern die gesamte Wassermenge vom kalten Zustand wieder auf Solltemperatur bringen.
Im Gegensatz zum stetigen Halten der Temperatur, bei dem das Gerät nur kurze Zeit arbeitet, muss es beim Hochfahren nach einer langen Pause mit voller Kraft und über einen viel längeren Zeitraum heizen.
- Dieser längere Betrieb unter Volllast kann den „Einspar“-Effekt der Ausschaltzeit komplett aufheben.
- In meiner Praxis habe ich festgestellt, dass moderne Warmwasserbereiter besser isoliert sind. Die Wärmeabgabe ist gering. Das ständige An- und Ausschalten bringt daher kaum einen Vorteil.
- Der große Haken: Die meiste Energie verbrauchen Sie nicht, um das Wasser warm zu halten, sondern um es tatsächlich zu nutzen (Duschen, Abwaschen).

Das übersehene Gesundheitsrisiko: Wo Sparsamkeit gefährlich wird
Wenn Sie Warmwasserbereiter regelmäßig ausschalten, ignorieren Sie eine kritische Grenze, die für die Sicherheit Ihres Trinkwassers in Österreich vorgeschrieben ist.
Das Wasser darf im Speicher nicht unter ein gewisses Niveau fallen. Warum?
Der Legionellen-Fallen-Temperaturkorridor
Bakterien, insbesondere Legionellen, fühlen sich in lauwarmem, stehendem Wasser extrem wohl. Wenn die Wassertemperatur im Boiler über einen längeren Zeitraum unter 50 °C fällt, steigt das Risiko der Keimvermehrung.
- Sicherheitshinweis: Die Speichertemperatur sollte immer mindestens 55 °C betragen, um Keime abzutöten. Regelmäßiges Ausschalten alle zwei Tage garantiert nicht, dass diese kritische Temperatur eingehalten wird.
- Die vermeintliche Ersparnis wird schnell irrelevant, wenn die Wasserqualität leidet.
Die Expertenformel für echte Ersparnisse
Vergessen Sie das komplizierte Jonglieren mit dem Ein-Aus-Knopf. Die wirklichen Einsparungen kommen durch zwei einfache, aber effektive Maßnahmen.
Tipp 1: Die magische 55-Grad-Einstellung
Viele Österreicher heizen ihren Boiler unnötig auf hohe 65 °C oder 70 °C auf, oft aus Gewohnheit. Der optimalste Punkt liegt jedoch bei 55 °C.

Warum 55 °C? Es ist hoch genug, um die Legionellen-Gefahr zu bannen, aber niedrig genug, um den Energieaufwand signifikant zu reduzieren.
Senken Sie die Standardeinstellung des Boilers von 60 °C auf 55 °C ab. Das spart laut Energieberatungen sofort 10 bis 15 % Energie ein, ohne Komfort einzubüßen.
Tipp 2: Programmierung und Wartung
Anstatt manuell aus- und einzuschalten, nutzen Sie die vorhandene Technologie.
- Nachttarif nutzen: Programmieren Sie den Warmwasserbereiter so, dass er hauptsächlich während der Nebenzeit (Niedertarif-Stunden, oft nachts) heizt. Das Warmwasser wird dann gespeichert, und die Kosten pro Kilowattstunde sind deutlich geringer.
- Regelmäßige Wartung: Kalkablagerungen (besonders in Gebieten mit hartem Wasser wie Wien oder Niederösterreich) senken die Effizienz rapide. Entkalken und die Anode prüfen lassen steigert die Leistung und schützt das Heizelement vor dem Durchbrennen.
- Isolierung prüfen: Sorgen Sie in schlecht isolierten Kellern dafür, dass die Warmwasserleitungen und eventuell der Boiler selbst zusätzlich isoliert sind, um Wärmeverluste auf dem Weg zur Dusche zu minimieren.
Das intermittierende Ausschalten ist ein gut gemeinter, aber letztlich ineffektiver Versuch, die Kontrolle über die Rechnung zu gewinnen. Es führt zu höherem Verschleiß und kann die Wassersicherheit kompromittieren. Echte Kontrolle gewinnen Sie über die Temperaturwahl und eine kluge Programmierung.
Fazit: Weniger ist mehr – aber nicht beim Ausschalten
Der Warmwasserbereiter funktioniert am effizientesten, wenn er regelmäßig die Temperatur halten kann, anstatt ständig lange Strecken hochheizen zu müssen. Sparen Sie intelligent: Senken Sie die Temperatur auf 55 °C und konzentrieren Sie sich auf die Niedertarif-Zeiten. Das ist die sicherste und kostengünstigste Methode.
Und Sie? Haben Sie versucht, Ihren Warmwasserbereiter manuell zu schalten, um zu sparen? Hat das bei Ihnen wirklich funktioniert oder hatten Sie am Ende das Gefühl, dass es nur unnötig kompliziert war? Teilen Sie Ihre Erfahrungen!

