Haben Sie sich jemals gefragt, wie Sie den stressigen Arbeitsalltag ohne Burnout überstehen können, ohne dabei Ihren Urlaub zu opfern? Die meisten Menschen kennen das Gefühl: Man ist ausgelaugt, die Konzentration lässt nach, aber man „hält durch“, weil man denkt, es gibt keine andere Möglichkeit. Genau hier liegt der Kern eines riesigen Missverständnisses.
Es gibt eine gesetzlich verankerte Leistung, die Millionen Arbeitnehmer in Österreich zusteht, aber kaum jemand nutzt: Bis zu acht Tage Freistellung von der Arbeit für die Gesundheitsvorsorge und das, ohne einen einzigen Urlaubstag zu nehmen. Das ist keine Wellness-Kur, sondern ein cleveres Präventionsprogramm, das Ihr Arbeitgeber und die Krankenkasse gemeinsam finanzieren. Wir zeigen Ihnen, wie Sie dieses unterschätzte Recht noch heute für sich nutzen können.
Das schlaue Prinzip: Prävention oder Frührente?
In meiner journalistischen Praxis stoße ich oft auf dieses eine, einfache Prinzip, das viele ignorieren: Es ist immer günstiger, ein kleines Problem zu verhindern, als ein großes Problem zu sanieren. Bei Ihrer Gesundheit ist das nicht anders. Das gesetzliche Leitprinzip lautet: „Prävention vor Reha vor Rente“.
Warum ist das wichtig? Weil die Träger der Rentenversicherung (und damit indirekt auch der Staat) ein massives Interesse daran haben, dass Sie gesund bleiben und bis zum regulären Rentenalter arbeiten können. Wenn Sie krank werden und frühzeitig in die Invaliditäts- oder Frührente müssen, ist das für alle teuer.
Ein Beispiel aus Deutschland, das auch die Logik der österreichischen Sozialversicherung perfekt abbildet: Statistiken zeigen, dass jeder Euro, der in Reha oder Prävention investiert wird, sich mittel- bis langfristig um das Zwei- bis Fünffache auszahlt. Das ist ein Win-Win für Sie und das System!
Der Schlüssel heißt „RV Fit“: Ihr bezahlter Gesundheits-Boxenstopp
Der konkrete Mechanismus, der Ihnen diese bezahlte Auszeit ermöglicht, ist ein Präventionsprogramm, das von den Sozialversicherungsträgern (in Österreich beispielsweise die Pensionsversicherungsanstalt, PVA, oder in Deutschland die Deutsche Rentenversicherung) angeboten wird. Das Programm zielt speziell auf Berufstätige ab und fokussiert sich auf die größten Stressfaktoren des modernen Lebens:
- Bewegungsmangel und ergonomische Probleme.
- Ernährung.
- Stressbewältigung und Schlafqualität.
So sieht Ihr „bezahlter Urlaub“ aus: Die konkrete Freistellung
Die meisten kennen nur die Kur – doch dieses Programm ist viel niederschwelliger und flexibler. Das Basismodul dauert:

Drei Tage (ambulant) oder fünf Tage (stationär)
Die entscheidende Information: Für diese Startphase werden Sie von Ihrem Arbeitgeber bei Fortzahlung des Gehalts freigestellt. Sie müssen keinen einzigen Urlaubstag nehmen, denn es gilt als medizinisch notwendige Maßnahme!
Im Anschluss an dieses Intensiv-Startmodul folgen regelmäßige Begleitungen und Kurse über einen Zeitraum von drei Monaten, um die Verhaltensänderungen nachhaltig zu etablieren. Hier profitieren Sie von einer langfristigen Betreuung, die Sie im normalen Fitnessstudio nicht bekommen.
Auffrischungskurs: Holen Sie sich extra Tage!
Das Programm ist keine einmalige Sache! Wenn Sie nach einer gewissen Zeit (meist zwei bis drei Jahre später) merken, dass die alten Muster wiederkehren, haben Sie das Anrecht auf einen Auffrischungskurs von bis zu drei Tagen. Auch diese Freistellung erfolgt wieder bezahlt, ohne Urlaub zu nehmen. Damit kommen wir auf bis zu acht Tage bezahlte Freistellung für die Gesundheit!
Der Insider-Tipp: Das Problem ist die Unwissenheit
Warum wird diese großartige Leistung so wenig genutzt? Viele Experten beklagen, dass die Informationen nicht bei den richtigen Leuten ankommen. Ich habe bemerkt, dass es oft nicht um die Angst vor der Krankheit geht, sondern um die Sorge vor Bürokratie und der Reaktion des Arbeitgebers.
Aber hier ist die gute Nachricht: Sie müssen nicht erst krank sein, um Anspruch zu haben. Viele Programme sind präventiv konzipiert. Oft reicht es schon, wenn Ihr Hausarzt in Wien, Graz oder Linz feststellt, dass Sie zu einer Risikogruppe gehören – etwa wegen ständiger Rückenprobleme, Übergewicht oder starkem Stress im Job.

Ihr Plan in 3 Schritten:
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Der Arztbesuch: Sprechen Sie Ihren Allgemeinmediziner offen auf Stress und körperliche Beschwerden an (obwohl Sie vielleicht noch keine akute Krankheit haben). Fragen Sie gezielt nach einer Empfehlung für ein Präventionsprogramm der Sozialversicherungsträger (z. B. PVA Aktiv-Gesund-Angebote).
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Der Antrag: Stellen Sie den Antrag bei der zuständigen Institution (z. B. PVA). Der Prozess ist oft einfacher, als man denkt. Geben Sie an, dass Sie berufstätig sind und das Programm zur Erhaltung der Arbeitsfähigkeit nutzen wollen.
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Die Freistellung: Sobald Ihr Antrag bewilligt ist, teilen Sie dies Ihrem Arbeitgeber mit. Die Freistellung ist gesetzlich geregelt und muss akzeptiert werden.
Achtung: Warten Sie nicht, bis die Knie schmerzen oder der Arzt „Burnout“ diagnostiziert. Die Vorsorge soll genau das verhindern. Je früher Sie handeln, desto nachhaltiger ist der Effekt.
Fazit und Ihre Meinung
Diese Möglichkeit, bis zu acht Tage bezahlte Zeit für die eigene Gesundheit zu nutzen, ist ein oft übersehenes soziales Recht, das die Lebensqualität vieler Berufstätiger in Österreich massiv verbessern könnte. Es ist eine Investition in Ihre Leistungsfähigkeit und Ihren Rentenanspruch.
Haben Sie oder jemand in Ihrem Umfeld diese Vorsorgeleistungen schon in Anspruch genommen? Wie waren Ihre Erfahrungen mit der Freistellung durch den Arbeitgeber? Teilen Sie uns Ihre Geschichte in den Kommentaren mit!

