Warum Zusteller nur noch „Dienst nach Vorschrift“ leisten und wer wirklich schuld am Paketchaos ist

Warum Zusteller nur noch „Dienst nach Vorschrift“ leisten und wer wirklich schuld am Paketchaos ist

Kennen Sie das? Sie warten sehnsüchtig auf ein Paket, sind den ganzen Tag zu Hause, aber die Benachrichtigung in der App verrät: „Konnte nicht zugestellt werden, liegt im Shop.“ Das sorgt für Frust. Aber die Wahrheit über das Lieferchaos, das gerade Österreich erfasst, ist komplizierter, als es auf den ersten Blick scheint.

Ein einziges, chaotisches Foto aus einem Paketshop (ursprünglich in Deutschland, aber die Realität ist bei uns dieselbe) hat eine Lawine ausgelöst. Die Regale quollen über, die Pakete stapelten sich bis zur Decke. Was als Entschuldigung für die Kunden gedacht war, entpuppte sich als Zündfunke für einen erbitterten Streit: Wer ist schuld an den Zustellproblemen?

Sie müssen diesen Artikel jetzt lesen, weil er Ihnen die Insider-Sicht der Zusteller zeigt. Das Verständnis dafür, was wirklich während der Weihnachtszeit und Black-Friday-Wochen passiert, ändert Ihre gesamte Warte-Strategie.

Der Insider-Blick: Darum ist der “Paket-Krieg” kein fauler Vorwurf, sondern ein Systemproblem

Kunden werfen den Boten Bequemlichkeit vor: Sie würden zu kurz klingeln, die Treppen scheuen und Pakete ohne echten Zustellversuch direkt in den Shop bringen. In den Kommentaren unter dem eingangs erwähnten Chaos-Foto meldeten sich Hunderte Menschen zu Wort. Das Bild teilte die Community in zwei unversöhnliche Lager: die frustrierten Empfänger und die gestressten Zusteller.

Warum die Kunden glauben, dass Zusteller faul sind

Die Liste der Beschwerden ist lang und vertraut. Viele von uns in Österreich haben Ähnliches erlebt:

  • Kurzer Klingelton: Oft klingelt es nur einmal, maximal zwei Sekunden. Das reicht kaum, um vom vierten Stock zur Haustür zu gelangen.
  • Kein Versuch beim Nachbarn: Das Paket wird sofort in den nächstgrößeren Shop umgeleitet, anstatt den Nachbarn zu fragen – ein besonders ärgerlicher Umweg in ländlicheren Regionen.
  • Die App-Hürde: Gerade für ältere Menschen wird die Nutzung von Packstationen oder Abhol-Apps zum unüberwindbaren Hindernis.

Viele Empfänger berichten, dass die Benachrichtigung über die Lagerfrist oft erst kommt, wenn die Sendung bereits zurückgeschickt wurde. Das empfinden die Kunden als reinen Stressfaktor, verursacht durch mangelnden Ernst der Zusteller.

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Die Gegenargumente: Was der Zeitdruck wirklich bewirkt

Aber es gibt eine Kehrseite der Medaille, die viele übersehen. Facebook-Nutzer, die sich als Zusteller auswiesen, lieferten eine harte Abrechnung mit der Realität des Jobs. Was von außen wie Faulheit aussieht, ist fast immer eine Folge von enormem Zeitdruck und unrealistischen Quoten.

Ein Zusteller beschrieb es treffend: „Wer einmal einen Tag mitgelaufen ist, weiß, wie Takt für Takt der Arbeitstag wirklich ist.“ Es gibt schlicht keine Zeit, fünf Minuten auf einen Empfänger zu warten oder mit allen Nachbarn einzeln zu verhandeln.

Die bitterste Konsequenz: Viele Zusteller leisten nur noch „Dienst nach Vorschrift“. Dies ist ein stiller Protest. Es bedeutet, minimalen Aufwand zu betreiben, um die täglichen Quoten zu erfüllen, aber ohne den Versuch, darüber hinaus „kundenfreundlich“ zu sein – weil es die knappe Zeit nicht zulässt.

Das Black-Friday-Desaster: Wenn die Logistik kapituliert

Der Hauptgrund für das Chaos liegt nicht nur beim Zusteller oder beim Kunden, sondern im System selbst – besonders in den Aktionswochen. Denken Sie an den Black Friday oder die Cyber Monday Weeks:

Die Paketmengen verdoppeln sich. Laut Logistikunternehmen werden an Spitzentagen über zehn Millionen Sendungen täglich bewegt. Obwohl die Unternehmen monatelang planen und Tausende zusätzliche Aushilfen einstellen, stößt die Infrastruktur an ihre Grenzen. Im Shop in Zossen war das Problem beispielsweise, dass der Logistikpartner die eingelieferten Sendungen nicht rechtzeitig abgeholt hat!

Das führt zu überfüllten Lagern, in denen Zusteller (und Shop-Mitarbeiter) kaum noch arbeiten können. Das ist kein individueller Fehler; das ist die logistische Folge eines extremen Kaufrauschs.

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Der einfache Lifehack, der alle Beteiligten entlastet

Wenn wir akzeptieren, dass der Zusteller unter enormem Druck steht und die Lieferketten in der Vorweihnachtszeit überlastet sind, können wir durch kleine Anpassungen enorm helfen. Hier ist der spezifische Tipp, der Zusteller lieben:

Richten Sie einen präzisen Ablageort ein.

Viele Kunden nutzen zwar die Option, es gibt aber einen entscheidenden Fehler, den ich in meiner Praxis immer wieder bemerke: Sie schreiben nur „Vor die Tür“. Das ist bei Regen oder in Wien im Mehrparteienhaus nutzlos.

Der beste Ablageort ist spezifisch, wetterfest und nicht direkt einsehbar. In Ihrem Profil oder der App sollten Sie präzise Anweisungen hinterlegen, beispielsweise:

  • „Hinter dem Müllhäuschen im Innenhof, unter der Plane.“
  • „In der blauen wetterfesten Kiste auf der Terrasse.“ (Noch besser: Die Kiste mit „PAKETE“ beschriften.)
  • „Bei Nachbarin Fr. Gruber (2. Stock, Tür 6) abgeben, falls ich nicht da bin.“ (WICHTIG: Die Nachbarin vorher fragen!)

Diese Klarheit nimmt dem Zusteller eine stressige Entscheidungsfindung ab. Er muss nicht klingeln und warten, kann die Sendung sicher abstellen und spart wertvolle Minuten. Das erhöht die Chance, dass Ihr Paket schnell und sicher ankommt, um 80%.

Das Chaos in den Shops lässt sich nicht ganz vermeiden, aber bessere Kommunikation und präzisere Anweisungen können diesen Konflikt zwischen Zustellern und Empfängern entschärfen. Denn letztlich wollen alle dasselbe: dass das Paket rechtzeitig und unbeschädigt ankommt.

Haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht? Oder sind Sie selbst Zusteller und haben eigene Tipps, wie man diese Stresssituationen vermeiden kann?

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