Der Februar ist da und es ist verlockend, sich im Warmen zu verkriechen. Doch gerade jetzt, im späten Winter, legen Sie die Grundlage für einen üppigen und schönen Garten im kommenden Jahr. Viele übersehen einen entscheidenden Fehler bei ihren Kletterpflanzen wie Weinreben und Geißblatt. Sie denken, es sei noch zu früh für Schnitte, aber das Gegenteil ist der Fall! Diese Pflanzen brauchen gerade jetzt unsere volle Aufmerksamkeit, bevor der Saft steigt.
Warum der Februar der perfekte Zeitpunkt ist
Der Anfang des Februars ist ein entscheidender Moment im Lebenszyklus von verholzten Pflanzen. Auch wenn es draußen stillsteht, beginnt die innere Aktivität der Pflanze bereits. Wer jetzt schneidet, nutzt die Ruhephase vor dem Vegetationsschub. Denn der in den Wurzeln gespeicherte Saft wird noch nicht in Triebe gesteckt, die später sowieso entfernt werden.
Klarheit im Winter: Perfekte Einsicht in die Pflanzenstruktur
Ein weiterer großer Vorteil: Ohne Blätter haben Sie einen perfekten Überblick über die Struktur Ihrer Pflanzen. Nur im Winter können Sie das Skelett Ihrer Weinrebe oder Ihres Geißblatts klar erkennen, ohne sich durch dichtes Laub kämpfen zu müssen. Für ökologisch und ökonomisch denkende Gärtner ist das Schneiden Anfang Februar die Garantie für klare Schnitte, die das Risiko von Pilzkrankheiten, die sich bei feuchtem und warmem Wetter stärker ausbreiten, minimieren.
Weinrebe vs. Geißblatt: Unterschiedliche Strategien für neues Leben
Obwohl beide Pflanzen ranken, haben sie unterschiedliche Bedürfnisse, und diese Nuance zu verstehen, ist entscheidend für eine erfolgreiche Saison 2026 in Ihrem Garten.

Das Ziel bei der Weinrebe: Fruchtbarkeit statt Masse
Bei der Weinrebe geht es oft um zwei Dinge: angenehmen Schatten auf einer Pergola und vor allem um eine reiche Fruchternte. Ohne Kontrolle produziert die Weinrebe viel Holz und Blätter auf Kosten der Trauben. Sie muss erinnert werden, ihren Zucker dort zu konzentrieren, wo es für den Gärtner zählt.
Geißblatt: Den Wucherer bändigen und verjüngen
Das Geißblatt ist ein unordentlicher Eroberer. Sein berauschender Duft und seine spektakuläre Blüte verstecken oft ein Gewirr aus totem Holz im Inneren der Pflanze. Ohne Eingriff verkahlt die Pflanze von unten, und das Grün und die Blüten ziehen sich weit nach oben zurück. Hier ist die Strategie, die Pflanze zu verjüngen, damit sie vom Fuß her neu austreibt und eine dichte, gleichmäßige grüne Wand bildet.
Die Kunst des sauberen Schnitts: Radikal gegen altes Holz
Hier ist der Kern der Technik: Schneiden Sie Weinreben oder Geißblatt Anfang Februar, um totes Holz zu entfernen und einen kräftigen Austrieb im Frühling zu fördern. Scheuen Sie sich nicht, etwas rigoroser vorzugehen, denn gerade diese Strenge regt die Pflanze an.
- Beim Geißblatt: Entfernen Sie unbedingt alle toten, trockenen oder schwachen Äste, die das Zentrum der Pflanze verstopfen. Das lässt Licht und Luft eindringen und reduziert drastisch das Risiko von Mehltau oder Blattläusen später in der Saison.
- Bei der Weinrebe: Hier ist etwas mehr Präzision gefragt, aber es ist sehr machbar:
- Identifizieren Sie die Triebe, die letztes Jahr Früchte getragen haben (sie sind oft heller).
- Schneiden Sie diese Triebe so zurück, dass nur noch zwei bis drei Augen (sichtbare Knospen) übrigbleiben.
- Entfernen Sie systematisch das gräuliche, brüchige Holz, das keine vielversprechenden Knospen trägt.
Die Verwendung einer scharfen und desinfizierten Gartenschere ist entscheidend, um das Holz nicht zu zerquetschen. Ein sauberer Schnitt verheilt deutlich schneller und erfordert weniger Energie von der Pflanze zur Erholung.
Schnelles Verheilen für kräftige Knospen
Warum gerade der 1. Februar? Weil Sie durch den Schnitt jetzt den Wunden Zeit geben, vor dem starken Saftanstieg im März zu trocknen. Besonders bei Weinreben kann ein zu später Schnitt zu lästigem „Bluten“ führen: Der Saft fließt aus den Schnittstellen und schwächt den Fuß der Pflanze. Wenn Sie früh handeln, hat die Pflanze Zeit, eine natürliche Barriere zu bilden.

Diese Maßnahme zwingt die Pflanze, ihre Ressourcen umzuleiten. Anstatt Dutzende von nutzlosen oder kränkelnden Ästen zu versorgen, lenkt das Wurzelsystem seine gesamte Energie auf die ausgewählten Knospen. Es ist ein einfaches hydraulisches Prinzip: Weniger Ausgänge bedeuten höheren Druck in den verbleibenden Ausgängen. Das sichert Ihnen kräftige neue Triebe, die schwere Trauben oder eine Fülle von duftenden Blüten tragen können.
Ein spektakuläres Frühjahr als Belohnung
Das Ergebnis dieser Winterarbeit wird sich mit den ersten warmen Sonnenstrahlen nicht lange auf sich warten lassen. Wo Sie sonst ein zaghaftes und verstreutes Wachstum erwartet haben, werden Sie Zeuge einer wahren Explosion des Lebens. Die neuen Triebe werden kräftig und leuchtend grün sein – ein Zeichen exzellenter Gesundheit. Für das Geißblatt bedeutet das eine Blütencascade ab den unteren Ebenen der Pflanze, die den Garten auf Augenhöhe beduftet.
Im Obstgarten oder auf der Pergola bedankt sich die Weinrebe mit einer schnelleren Fruchtreife und besseren Trauben, da sie durch die kontrollierte Vegetation besser der Sonne ausgesetzt sind. Dieser kleine Aufwand, zur richtigen Zeit mit dem richtigen Werkzeug, erspart Ihnen Stunden des Kampfes und der vorbeugenden Behandlungen im Sommer. Das ist die Essenz des cleveren Gärtnerns: wenig tun, aber das Richtige.
Betrachten Sie Ihre schlafenden Kletterpflanzen im Februar nicht länger passiv. Greifen Sie zu Ihrer Gartenschere und führen Sie diese heilsame Reinigung durch, die altes Holz entfernt und die Pflanze umstrukturiert. Nur wenn Sie heute Platz schaffen, bereiten Sie den Boden für die Fülle von morgen.
Und wie sehen Ihre Kletterpflanzen im Moment aus? Haben Sie schon mit dem Schnitt begonnen? Teilen Sie Ihre Erfahrungen in den Kommentaren!

