Viele Gartenliebhaber glauben, der Winter sei nur eine Zeit der Ruhe für ihren Garten. Doch das ist ein weit verbreiteter Irrtum! Während es draußen kalt ist, schlummert in vielen Pflanzen das Potenzial für neues Leben. Wenn Sie diese einfache Methode der Stecklingsvermehrung im Winter richtig anwenden, können Sie sich im Frühling über eine Fülle von neuen, gesunden Pflanzen freuen – und das ganz ohne teure Anschaffungen. Verpassen Sie nicht die Gelegenheit, Ihren Garten zu vergrößern, bevor die Hauptgartensaison richtig beginnt.
Warum der Winter die ideale Zeit für Stecklinge ist
Sie denken vielleicht, Stecklinge sind etwas für den Frühling oder Sommer. Aber gerade die Ruhephase des Winters hat entscheidende Vorteile, die viele übersehen. Es ist die Zeit des „Holzsteckens“, und das hat es in sich.
Die verborgenen Vorteile des winterlichen Gärtnerns
- Weniger Stress für die Pflanze: In der vegetativen Ruhephase müssen die Stecklinge keine Energie für Blattwachstum aufwenden. Sie konzentrieren sich voll und ganz auf die Wurzelbildung, was sie besonders widerstandsfähig macht.
- Minimaler Pflegeaufwand: Im Gegensatz zu zarten Trieben im Sommer benötigen diese robusten Holzstecklinge kaum ständige Bewässerung oder intensive Überwachung.
- Frühzeitige Vorbereitung: Wenn Sie im Winter beginnen, sind die Stecklinge bereits im Frühling kräftig genug, um verpflanzt zu werden – pünktlich zum Startschuss der neuen Gartensaison.
Diese Methode ist ein Segen für alle, die es kaum erwarten können, ihren Garten zu verschönern und am liebsten sofort sichtbare Ergebnisse sehen möchten. Es ist, als würden Sie die Arbeit für den Frühling vorspulen!
Welche Pflanzen eignen sich besonders gut für den Winter-Steckling?
Nicht jede Pflanze ist am besten für diese Technik geeignet. Aber keine Sorge, die Auswahl ist groß und gerade die beliebtesten Kandidaten lassen sich kinderleicht vermehren.
1. Laubabwerfende Sträucher: Robuste Anfänger
Arten wie Forsythien, Weiden, Flieder oder auch Hortensien sind perfekte Kandidaten für das Steckholz im Winter. Sie vertragen die Ruhephase gut und das fördert die Wurzelbildung enorm. Was viele nicht wissen: Auch Feigen- und Johannisbeersträucher lassen sich genauso einfach vermehren.

So geht’s einfach:
- Suchen Sie einen gesunden, etwa 20 cm langen Ast.
- Schneiden Sie ihn schräg unter einem Knoten (der untere Teil) und gerade über einem anderen Knoten (der obere Teil) ab.
- Stecken Sie die Stecklinge in eine Mischung aus handelsüblichem Anzuchtsubstrat und etwas Sand. Das sorgt für die nötige Drainage.
- Schützen Sie die Ansätze vor strengem Frost, indem Sie die Töpfe in ein kühles Gewächshaus stellen oder an einem geschützten Ort im Freien eingraben.
2. Stauden: Einfacher als Sie denken
Auch viele beliebte Stauden wie Veilchen, Bartnelken oder Purpurglöckchen sind für diesen Trick gut geeignet. Die Vermehrung ist oft unkomplizierter als bei größeren Gehölzen.
Die simple Technik:
- Entnehmen Sie einen etwa 6-8 cm langen Ausläufer (eine wachsende Sprossachse) mit ein paar Blättern.
- Lassen Sie maximal zwei Blätter daran – das verhindert übermäßigen Wasserverlust.
- Stecken Sie den Ausläufer in eine leichte Erde-Sand-Mischung und halten Sie diese stets leicht feucht.
Stauden sind oft weniger wählerisch und zeigen schnell erste Erfolge, was besonders motivierend ist.
3. Sukkulenten: Selbst im Winter ein Kinderspiel
Besitzen Sie vielleicht ein paar pflegeleichte Sukkulenten zu Hause? Dann haben Sie Glück! Die Vermehrung per Blattsteckling ist auch im Winter problemlos möglich. Echeverien, Dickblatt-Arten oder Sedum lassen sich so wunderbar vermehren.
So einfach geht’s:
- Brechen Sie vorsichtig ein gesundes Blatt an der Basis der Mutterpflanze ab.
- Lassen Sie das Blatt für ein paar Tage an der Luft trocknen. Das ist wichtig: Es bildet sich eine schützende Kallus-Schicht, die Fäulnis verhindert.
- Legen Sie das Blatt einfach auf die trockene Erdoberfläche, ohne es einzugraben.
- Sobald sich kleine Wurzeln zeigen, können Sie ganz leicht anfeuchten.
Mein Tipp: Stellen Sie die Blätter an einen hellen Ort, aber nicht in die direkte Nähe einer Heizung. So sind sie im Winter bestens aufgehoben.

Die entscheidenden Schritte für erfolgreiche Winter-Stecklinge
Unabhängig von der Pflanzenart gibt es ein paar Grundregeln, die fast immer zum Erfolg führen. Diese kleinen Tricks werden oft unterschätzt.
- Saubere Werkzeuge sind das A und O: Ein desinfiziertes Messer oder eine Gartenschere verhindert die Übertragung von Krankheiten. Wischen Sie es am besten mit 90%igem Alkohol ab, bevor Sie beginnen.
- Wählen Sie gesunde Triebe: Vermeiden Sie zu junge, weiche Triebe oder zu alte, verholzte Äste. Halb verholzte, biegsame aber stabile Triebe sind ideal.
- Gute Drainage ist Pflicht: Staunässe ist der Tod jeder Wurzel. Mischen Sie Sand unter die Anzuchterde, das ist günstiger als teures Spezialsubstrat und wirkt Wunder.
- Beschriftung spart Ärger: Das mag unwichtig klingen, aber nach Wochen wissen Sie oft nicht mehr, welcher Steckling zu welcher Pflanze gehört. Ein einfacher Anhänger verhindert böse Überraschungen im Frühling.
- Sparsam gießen: Im Winter verdunstet Wasser langsamer. Halten Sie das Substrat nur leicht feucht, statt es zu ertränken.
Im Frühling: Die beeindruckende Belohnung Ihrer Geduld
Das Schönste am winterlichen Steckling-Projekt ist, wenn der Frühling kommt und die kleinen Krieger ihre Stärke zeigen. Sie erkennen die Fortschritte an folgenden Anzeichen:
- Bildung neuer, zarter Triebe oder Blätter.
- Sichtbare Wurzeln, wenn Sie die Töpfe vorsichtig anheben oder transparente Gefäße nutzen.
Sobald sich die ersten Anzeichen zeigen, können Sie Ihre jungen Pflanzen vorsichtig in die Erde oder größere Töpfe umsetzen. Das Beste daran? Sie haben nun kräftige, an Ihr lokales Klima bestens angepasste Pflanzen und das völlig kostenlos! Ein echter Gewinn für jeden Gartenfreund, der auch in der kälteren Jahreszeit nicht untätig sein möchte.
Diese einfache Methode ist eine wunderbare Kombination aus Ökonomie und einem entspannenden Hobby. Sie belegen die Wintertage sinnvoll, tun Ihrem Garten etwas Gutes und freuen sich im Frühling über das Ergebnis. Also, ran an die Gartenschere und die Töpfe – es lohnt sich!
Welche Pflanzen vermehren Sie am liebsten im Winter? Teilen Sie Ihre Erfahrungen in den Kommentaren!

