Warum österreichische Gärtner im Jänner ihre Laubhaufen in Ruhe lassen sollten

Warum österreichische Gärtner im Jänner ihre Laubhaufen in Ruhe lassen sollten

Der Winter hält Österreich fest im Griff, und auch wenn Ihr Garten ruht, kämpft ein kleines Tier ums Überleben: der Igel. Gerade im Jänner durchleben diese geschützten Säugetiere die kritischste Zeit des Jahres. Und eine scheinbar banale Handlung, die viele von uns übersehen, kann über Leben und Tod entscheiden. Sie müssen heute wissen, warum das Aufräumen des Gartens jetzt zur echten Todesfalle werden kann.

Der Jänner: Für Igel gefährlicher als Sie denken

Viele von uns glauben, der Winterschlaf des Igels sei ein tiefer, ununterbrochener Schlaf. Das ist falsch. Im Jänner sind die Temperaturen, gerade in den tiefen Tälern und Städten Österreichs, sehr wechselhaft. Diese plötzlichen Schwankungen können Igel zu verfrühtem Aufwachen zwingen.

Warum das gefährlich ist: Jedes Mal, wenn ein Igel aufwacht, verbraucht er enorme Mengen an gespeicherter Energie. Das Problem im Jänner ist, dass draußen so gut wie keine Nahrung zu finden ist. Findet der Igel nichts, ist die Reserve schnell aufgebraucht – er stirbt innerhalb weniger Tage an Hunger oder Unterkühlung. Ich merke in meiner eigenen Praxis immer wieder, wie viele Menschen diesen Mechanismus nicht verstehen.

Das wichtigste Gebot im Winter: Lassen Sie den Laubhaufen in Ruhe

Der Winterreflex, alles „sauber“ und ordentlich zu halten, ist eine der größten Bedrohungen für unsere stacheligen Freunde. Man will ja, dass der Garten im Frühling gleich tip-top aussieht.

Aber für Igel sind genau diese unaufgeräumten Ecken – Laubhaufen, Äste, Heckenschnitt oder unberührte Brachflächen – ihre entscheidenden Überlebensunterkünfte. Das sind die Isolationskammern, die sie warm halten.

Im Jänner diese Rückzugsorte zu entfernen, bedeutet, die Igel Kälte, Frost und Fressfeinden schutzlos auszuliefern. Wer jetzt seinen Garten ein bisschen unordentlich lässt, leistet einen lebensrettenden Beitrag.

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  • Laubhaufen: Sind die besten natürlichen Isolatoren. Nicht kompostieren oder verbrennen!
  • Äste und Reisig: Bilden natürliche Schutzdächer gegen Schnee und Raubtiere (z.B. Marder).
  • Heckenunterwuchs: Bietet Schutz auf Bodenhöhe.

Warum das Verschieben eines Igelnests fatal sein kann

Angenommen, Sie wollen aufräumen und bemerken einen Unterschlupf. Bitte widerstehen Sie dem Impuls, ihn zu bewegen.

Ein Igel, der aus dem Winterschlaf gerissen wird, erwacht abrupt und verbraucht massiv Energie. Diese massive Verausgabung ist oft irreparabel. Selbst wenn Sie ihn später wieder an einen geschützten Ort bringen, hat er möglicherweise nicht mehr die Reserven, um wieder in den Winterschlaf zu fallen oder diesen lange durchzuhalten. Es funktioniert ein bisschen wie bei einem Akku, der aus dem Nichts auf 100% Leistung hochgefahren wird – er ist schnell leer.

Deshalb: Verschieben, wenden oder anzünden von Laub- oder Holzhaufen im Winter ist unbedingt zu vermeiden, selbst wenn sie unbewohnt scheinen.

Wann Sie aktiv werden MÜSSEN (Der Notfallplan)

Es gibt eine wichtige Ausnahme von der „In-Ruhe-Lassen“-Regel. Wenn Sie im Jänner einen Igel am helllichten Tag sehen, der abgemagert, desorientiert oder auffällig aktiv ist, ist das ein klares SOS-Signal. So ein Zustand ist im tiefsten Winter nicht normal. Er ist in akuter Not.

In diesem speziellen Fall gilt:

  • Bieten Sie ihm sofort frisches, lauwarmes Wasser an.
  • Geben Sie ihm (falls vorhanden) eine kleine Menge an hochwertigem Katzen-Trockenfutter (keine Fischsorten!). Auf keinen Fall Milch – die ist hochgefährlich für Igel.
  • Kontaktieren Sie umgehend eine Igelhilfe oder ein Tierrettungszentrum in Ihrer Nähe (viele regionale Tierschutzvereine in der Steiermark oder Oberösterreich haben Notrufnummern).

So machen Sie Ihren Garten igelfreundlich

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Ein Igel ist Ihr bester Verbündeter im Garten, denn er vertilgt massenhaft Schnecken und schädliche Insekten, ganz ohne teure Chemie aus dem Baumarkt. Ihn zu schützen, ist also auch eine Investition in die Gartengesundheit.

Ein paar einfache Maßnahmen, die über den Winter hinaus wirken:

1. Durchgänge schaffen: Achten Sie darauf, dass kleine Löcher (mindestens 13×13 cm) unter Zäunen oder Mauern bestehen bleiben. Das ist die „Igel-Autobahn“, die ihnen die Nahrungssuche erleichtert.

2. Vorsicht beim Arbeiten: Bevor Sie Hecken oder Gebüsch schneiden (natürlich erst, wenn der Frost vorbei ist), klopfen Sie kurz darauf, um schlafende Igel zu wecken. Seien Sie auch extrem vorsichtig beim Benutzen von Sensen oder Rasenmähern um Sträucher herum.

3. Verzicht auf Gift: Verwenden Sie so wenig Pestizide oder Schneckenkorn wie möglich. Igel fressen vergiftete Insekten und sterben dann oft sekundär daran.

Das Aufräumen kann warten. Im Jänner ist das beste, was ein österreichischer Gärtner tun kann, einfach zurückzutreten und die Natur ihre Arbeit machen zu lassen. Widerstehen Sie dem Aufräumdrang, beobachten Sie die Stille und wissen Sie, dass dieser kleine Widerstand Großes bewirkt.

Ihre Meinung ist uns wichtig

Haben Sie in Ihrem Garten schon einmal einen Igel überwintert oder ein Igelhaus gebaut? Welche Tipps haben Sie für andere? Teilen Sie Ihre Erfahrungen in den Kommentaren; davon profitieren alle Naturliebhaber!

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