Jeder kennt ihn: Den klassischen Radiergummi, der rot und blau ist. Als Kinder haben wir gelernt: Die rote, weiche Seite ist für Bleistift, und die blaue, raue ist für Tinte. Aber mal ehrlich: Wie oft in der Oberstufe oder im Büro haben Sie versucht, mit dieser blauen Seite Tinte wegzuradieren – nur um am Ende ein hässliches, durchgescheuertes Loch im Papier zu haben?
Es ist ein weitverbreiteter Irrtum. Ich habe selbst jahrelang gedacht, dass die blaue Seite einfach nur eine schlechte Erfindung ist, die mehr Schaden als Nutzen anrichtet. Doch meine Recherche hat ergeben: Diese Seite hat in Wahrheit einen ganz spezifischen, hochwirksamen Zweck – der nichts mit dem Füllen eines Tintenkillers zu tun hat. Und er ist gerade für den rauen Büroalltag in Österreich gedacht.
Der große Irrtum: Was passiert wirklich beim „Tinte radieren“?
Wenn Sie die blaue Seite des Radierers (die oft mit Quarzmehl angereichert ist, daher die Härte) auf einen Tintenfleck anwenden, radieren Sie nicht die Tinte weg. Sie entfernen das Geschriebene, aber auf brutale Weise.
Der Radierer wirkt wie feinstes Schmirgelpapier. Er trägt die oberste Schicht des Papiers ab. Das ist der Grund, warum die Tinte verschwindet, aber auch der Grund, warum so schnell ein Loch entsteht. Wer will schon seine wichtigen Dokumente (z.B. den Mietvertrag in Wien oder die Jahresplanung in Graz) mit einem Loch versehen?
Warum der klassische Tinten-Ansatz ein Relikt ist
Heutige Tinte ist oft so intensiv, dass die abrasive Methode nutzlos ist. In der Vergangenheit, als man noch dickeres Schreibpapier und spezifische Tintenarten verwendete, funktionierte dieser Trick besser. Doch mit dem dünneren Kopierpapier (wie es in jedem Bipa oder Libro verkauft wird), ist der Schaden schnell größer als der Nutzen.

Der wahre Zweck: Wo die harte Seite im Alltag brilliert
Wenn die blaue/harte Seite nicht optimal für Tinte ist, wofür ist sie dann so konzipiert, dass sie so viel Reibung erzeugt? Hier kommt der entscheidende Punkt: Die harte Seite dient dazu, groben, hartnäckigen Schmutz und Flecken von robusten Oberflächen zu entfernen.
In meiner eigenen Praxis (als jemand, der viel am Schreibtisch arbeitet), habe ich festgestellt, dass der Radierer ein echtes Multitool ist, besonders die blaue Seite:
- Entfernen von Kaffeeflecken: Wenn ein kleiner Spritzer Kaffee auf Ihren Schreibtisch aus Holz oder Kunststoff gelangt und getrocknet ist, kann die blaue Seite ihn oft sanft abreiben, ohne aggressive Reinigungsmittel einsetzen zu müssen.
- Reinigen von Arbeitsgeräten: Ich verwende die harte Seite, um leichte Verunreinigungen oder Fettflecken von der Oberfläche meiner Maus oder der Ränder meiner Tastatur (insbesondere in den Rillen) zu entfernen.
- Spuren an Wänden: Haben Ihre Kinder (oder Sie selbst) einen dunklen Strich von einem Schuh an die Wand gemalt? Die abrasive Seite entfernt oft leichte Striche, ohne die Farbe großflächig zu beschädigen (immer vorsichtig testen!).
- Matte Metalloberflächen: Im Badezimmer oder in der Küche können Sie damit leichte Wasserflecken oder Korrosionsansätze von matten Edelstahl-Armaturen vorsichtig abreiben (Vorsicht bei polierten Oberflächen!).
Das Geheimnis liegt im Material
Die weiche, rote Seite ist für Grafit (Bleistift) optimiert, indem sie die Partikel aufnimmt. Die harte, blaue Seite ist optimiert dafür, leicht Material von einer Oberfläche abzutragen – sei es eine Schicht Papier oder ein eingetrockneter Fleck auf einem Kunststoffgehäuse.
Die Faustregel: Die rote Seite ist für weichen Schmutz auf weichen Oberflächen (Papier). Die blaue Seite für harten Schmutz auf harten Oberflächen (Tisch, Geräte).

Praktischer Lifehack: So reinigen Sie Ihre Tastatur mit dem Radiergummi
Viele von uns trinken Kaffee oder essen kleine Jausen am Schreibtisch. Die Tastatur sammelt Staub, Hautfett und Krümel – die perfekte Brutstätte für Keime. Hier ist die schnelle Reinigung mit dem Radierer:
- Trennen Sie die Tastatur vom Strom oder schalten Sie den Laptop aus.
- Drehen Sie die Tastatur auf den Kopf und schütteln Sie sie vorsichtig, um grobe Krümel zu entfernen (ideal über dem Mistkübel).
- Nehmen Sie die blaue Seite des Radiergummis. Reiben Sie vorsichtig über die Tastenoberflächen, die klebrig sind oder Flecken aufweisen. Durch die Reibung werden festgesetzte Schmutzpartikel effizient entfernt.
- Nehmen Sie dann die rote, weichere Seite und fahren Sie damit durch die engen Spalten zwischen den Tasten. Der weiche Gummi holt feineren Staub wie ein Schwamm heraus.
Ich habe bemerkt, dass nach dieser schnellen Reinigung die Tasten nicht nur sauberer aussehen, sondern sich auch wieder viel angenehmer anfühlen. Der Radierer ist die Geheimwaffe gegen den Büro-Dreck!
Fazit: Weniger Geheimnis, mehr Werkzeug
Die blaue Seite des Radiergummis ist kein Wunderwerkzeug, um Tinte, wie durch Zauberei, verschwinden zu lassen. Sie ist ein abrasiver Reiniger, der für harte Aufgaben entwickelt wurde. Statt sie auf empfindliches Papier anzuwenden, sollten wir sie als das sehen, was sie ist: ein kostengünstiges, chemiefreies Reinigungswerkzeug für unsere alltäglichen Büromaterialien und Oberflächen.
Welchen Alltagsgegenstand verwenden Sie noch zweckentfremdet, dessen wahre Funktion kaum jemand kennt? Teilen Sie Ihren besten Hack mit uns in den Kommentaren!

