Darum stellen Profis einen Schwamm unter den Heizkörper, bevor sie ihn entlüften

Darum stellen Profis einen Schwamm unter den Heizkörper, bevor sie ihn entlüften

Es ist tiefster Winter. Draußen herrscht österreichische Kälte, doch plötzlich hören Sie es: Ein unheilvolles Gluckern, Rauschen oder Gurgeln in der Heizung. Oder noch schlimmer: Der untere Teil des Heizkörpers glüht, während die Oberfläche eiskalt bleibt. Viele von uns schieben das Entlüften auf, denn die Vorstellung von stinkendem, schwarzen Wasser auf den Parkettböden ist ein Albtraum.

Ich weiß aus eigener Erfahrung: Die Angst vor der Reparatur ist oft größer als die Reparatur selbst. Aber diese Störgeräusche sind nicht nur nervig; sie sind ein klares Signal, dass Ihr Heizsystem dringend Aufmerksamkeit benötigt – und dass Sie gerade unnötig Geld verbrennen. Die gute Nachricht? Mit der richtigen Strategie ist das Entlüften kinderleicht. Hier ist die narrensichere Methode für ein gemütliches Zuhause und eine schlanke Energierechnung.

Der Feind Ihres Komforts: Wie Luft die Wärme blockiert

Das Prinzip der Zentralheizung ist simpel: Heißes Wasser muss frei zirkulieren. Doch mit der Zeit sammelt sich unweigerlich Luft in den Leitungen an. Da Luft leichter ist als Wasser, steigt sie nach oben und sammelt sich im obersten Bereich des Heizkörpers.

Was passiert dann?

  • Die Luftblase bildet einen Pfropfen, der verhindert, dass das heiße Wasser die gesamte Heizfläche erreicht.
  • Die Folge ist eine massive Reduzierung der Wärmeabgabe. Der Kessel heizt und heizt, aber die Effizienz sinkt rapide.
  • Dieses Kräftemessen zwischen Wasser und Luft erzeugt die verräterischen Glucker- und Klopfgeräusche, die so typisch sind für den kalten Jänner in Wien oder Graz.

Energiesparen in Österreich: Wie eine einzige Luftblase Ihr Budget sprengt

Abgesehen vom mangelnden Komfort ist ein luftgefüllter Heizkörper ein wahrer Kostentreiber. Da die Heizfläche kleiner ist, muss der Thermostat viel länger arbeiten, um die gewünschte Zimmertemperatur zu erreichen. Schätzungen zufolge kann ein nicht entlüftetes System die Energiekosten um einen zweistelligen Prozentsatz erhöhen.

Gerade in Zeiten, in denen die Gas- und Strompreise in Österreich diskutiert werden, ist es unverantwortlich, diesen „Luftzuschlag“ zu bezahlen. Eine schnelle Wartung stellt die optimale Leistung sofort wieder her – und zwar völlig kostenlos.

Das Anti-Katastrophen-Arsenal: Die Profi-Vorbereitung

Die halbe Miete beim Selbermachen ist die Vorbereitung. Um zu verhindern, dass Ihr Wohnzimmer zur Lache wird, müssen Sie die richtigen Werkzeuge bereithalten. Keine Sorge, es sind keine schwer beschaffbaren Spezialwerkzeuge nötig.

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Die Werkzeugliste:

  • Der Entlüftungsschlüssel: Überprüfen Sie Ihren Heizkörper. Alte Gussmodelle brauchen oft einen speziellen Vierkantschlüssel (klein, oft aus Messing). Neuere Modelle haben eventuell eine Schlitzschraube (dann benötigen Sie einen breiten Schlitzschraubendreher) oder sogar ein Handrad.
  • Der strategische Behälter: Nehmen Sie eine kleine Tasse oder einen Becher, der gut unter das Entlüftungsventil passt.
  • Der wichtigste Tipp – Der Schwamm: Legen Sie einen alten, dicken Putzlappen oder einen großen Schwamm unter das Ventil und den Behälter. Dieser Absorptionsgürtel fängt eventuelle Spritzer auf, bevor diese den Boden erreichen. Denken Sie daran: Das Wasser ist schwarz und färbt stark ab!

Vermeiden Sie unbedingt eine Zange oder ähnliches. Diese beschädigen das zarte Ventil, was eine teure Reparatur nach sich ziehen kann.

Das 3-Schritte-Protokoll: Luft entweichen lassen, Schaden vermeiden

Jetzt, da alles vorbereitet ist, folgt der eigentliche Tanz. Befolgen Sie diese Schritte präzise, um die saubere Methode zu garantieren.

Schritt 1: Isolieren Sie den Heizkörper

Bevor Sie das Ventil berühren, müssen Sie den Durchfluss stoppen. Drehen Sie das Thermostatventil (den Drehknopf) auf die Nullstellung oder vollständig zu. Das isoliert den Heizkörper vom Wasserkreislauf und sorgt dafür, dass die Luft sich oben optimal sammeln kann. Warten Sie ein paar Minuten, damit sich das Wasser vollständig beruhigt.

Schritt 2: Das vorsichtige Zischen der Befreiung

Stellen Sie den Becher direkt unter das Entlüftungsventil. Öffnen Sie nun das Ventil mit Ihrem Schlüssel oder Schraubendreher gaaanz vorsichtig. Oft reicht eine Viertel- bis halbe Umdrehung.

Sie werden sofort ein Zischen hören – das ist die eingeschlossene Luft, die entweicht. Halten Sie das Ventil offen, solange das Zischen anhält. Es können mitunter ein paar dunkle Tropfen (das sogenannte „Spucken“) herauskommen. Dafür haben wir den Schwamm und den Becher!

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Schritt 3: Sofort schließen, sobald das Wasser durchläuft

Seien Sie aufmerksam: Sobald das Zischen aufhört und das Wasser in einem kontinuierlichen, klaren Strahl ohne Blasen herausläuft, müssen Sie das Ventil sofort wieder schließen. Ziel ist es, die Luft zu entfernen, nicht das System zu entleeren.

Drehen Sie das Ventil fest, aber nicht mit Gewalt, zu. Wischen Sie eventuelle Reste am Ventil mit dem Schwamm ab. Öffnen Sie den Thermostat nun wieder auf die gewünschte Stufe.

Der Wichtigste Nacharbeitsschritt: Der Druck auf der Boiler

Nachdem Sie die Luft und etwas Wasser entfernt haben, ist der Gesamtdruck im Heizkreislauf gesunken. Dies ist der Teil, den die meisten Laien vergessen und der zu Problemen führen kann.

Prüfen Sie den Manometer!

Nachdem Sie alle Heizkörper (beginnend mit den unteren Stockwerken) entlüftet haben, müssen Sie zur Zentralheizung gehen. Der Manometer (das Druckmessgerät) zeigt Ihnen den Systemdruck an. In der Regel sollte die Nadel zwischen 1,0 und 1,5 Bar liegen (oder im grünen Bereich auf der Anzeige).

Öffnen Sie den Füllhahn der Heizungsanlage, lassen Sie Wasser in den Kreislauf nachlaufen, bis der ideale Druck erreicht ist, und schließen Sie den Hahn sofort wieder fest.

Genießen Sie die Stille. Die Gluckergeräusche sind verschwunden. Die Heizkörper werden jetzt gleichmäßig warm, von oben bis unten. Sie haben nicht nur Ihren Wohnkomfort gesteigert, sondern auch aktiv zur Energieeffizienz Ihres Hauses beigetragen.

Diese einfache Routine schont Ihre Nerven und Ihren Geldbeutel. Wann haben Sie Ihre Heizkörper das letzte Mal entlüftet?

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