Sie halten ihn wahrscheinlich für ein niedliches, vielleicht sogar etwas kindisches Detail. Wir in Österreich sehen diese Mützen überall, sobald die Temperaturen fallen – ob am Christkindlmarkt oder auf den Skipisten. Aber was, wenn dieser kleine Wollballen auf Ihrer Haube eine Geschichte birgt, die Jahrhunderte alt ist und eine überraschende praktische Funktion hatte – lange bevor er modisch wurde?
Ich habe mich intensiv damit beschäftigt, und ich verspreche Ihnen: Was Sie jetzt über den Pompon erfahren, wird Ihre Sichtweise auf Wintermützen völlig verändern. Denn er wurde nicht erfunden, um gut auszusehen.
Deshalb trugen Matrosen rote Pompons
Viele von uns kennen das Gefühl: Man drückt sich durch die engen, niedrigen Gänge eines Dachbodens oder einer U-Bahn ohne es zu merken, und zack, knallt man mit dem Kopf gegen etwas Hartes. Stellen Sie sich das auf einem Schiff vor, bei starkem Seegang.
Der Pompon startete seine Karriere nicht als Mode-Accessoire, sondern als Helm. Im 18. Jahrhundert führten Marinen, insbesondere die französische, rote Wollpompons auf den Mützen ein. Der Grund war unglaublich pragmatisch:
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Die Kabinen und Gänge der Schiffe waren extrem niedrig.
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Der Pompon diente als Stoßdämpfer. Traf der Matrose seinen Kopf gegen einen Deckenbalken, dämpfte der feste Wollballen den Aufprall ab.
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Es verhinderte schmerzhafte Prellungen und Schnittwunden, die in rauer See schnell gefährlich werden konnten.

Es ist ein perfektes Beispiel für archaisches, aber brillantes Funktionsdesign: Eine einfache Kugel aus Wolle rettete Köpfe. Diese Tradition hält übrigens bis heute in einigen Marineuniformen an.
Der übersehene Wärmeschutz beim Bergsteigen
Wenn wir unsere Haube (oder Mütze) aufsetzen, konzentrieren wir uns auf die Ohren und die Stirn. Doch die meiste Körperwärme entweicht über den Scheitelpunkt des Kopfes. Hersteller von Funktionskleidung sind da besonders vorsichtig.
Auch wenn es unscheinbar aussieht, hilft der Pompon bei der Isolierung. Er ist eine zusätzliche, dicke Schicht von Material, die direkt den kritischsten Punkt abdeckt.
In meiner Recherche habe ich festgestellt, dass diese Funktion besonders in Regionen mit eisigen Wintern, wie wir sie oft in den Alpen erleben, geschätzt wurde. Der voluminöse Wollballen fängt die Luft ein und wirkt als zusätzliche thermische Barriere.
Ein unverzichtbares Detail im Schneesturm
Aber es gibt noch einen weiteren, lebensrettenden Aspekt, der auf den Skipisten und Hochgebirgswegen in Tirol oder der Steiermark zur Geltung kommt: Sichtbarkeit.
Jeder Skifahrer weiß, wie schnell das Wetter umschlagen kann. Nebel, starker Schneefall oder das „Whiteout“-Phänomen führen zu null Sicht. In solchen Situationen braucht man jeden Vorteil, um gesehen zu werden. Der Pompon, vor allem wenn er in einer Kontrastfarbe gehalten ist, ragt oft über Helme oder Schultern hinaus und ist leicht zu erkennen.
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Erleichtert die Suche: Rettungskräfte oder Bergführer können Personen mit einem auffälligen Pompon schneller orten.

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Gruppen-Identifikation: In Skischulen oder bei geführten Touren dient der Pompon als einfaches, schnell sichtbares Erkennungszeichen.
Wenn Sie also das nächste Mal in einem Sportgeschäft rund um Kitzbühel eine neue Winterausrüstung kaufen, denken Sie daran: Ein leuchtend roter (oder grüner) Pompon ist keine Laune der Mode, sondern ein Stück alter Sicherheitstechnik.
Ein unbemerkter Lifehack für die Aufbewahrung
Und hier ist ein praktischer Tipp, den ich selbst erst kürzlich entdeckt habe, der aber seit Generationen angewendet wird:
Wenn Sie Ihre Haube zu Hause aufhängen, benutzen viele den Haken, der für den Kleiderbügel gedacht ist. Das kann die Wolle ausleiern und die Form ruinieren. Verwenden Sie stattdessen den Pompon!
Der dicke Pompon ist robust und oft fest angenäht. Hängen Sie die Mütze kopfüber am Pompon an den Garderobenhaken. Das hält die Haube in Form, besonders bei schweren Wollmützen, und sorgt dafür, dass sie schnell trocknet, da die Luft gut zirkuliert.
Man trägt also ein Stück Geschichte auf dem Kopf, das einst Seemänner vor Hirnerschütterungen schützte und heute Bergwanderer in den Alpen sichtbar macht. Es ist ein unaufdringliches Detail, das Funktion und Stil perfekt vereint. Eine wahrlich durchdachte Erfindung, die alle Epochen überlebt hat.
Und Sie? Haben Sie bei Ihrem letzten Winterspaziergang dem Pompon Beachtung geschenkt? Oder halten Sie ihn immer noch für eine alberne Dekoration?

