Deshalb setzen österreichische Förster auf diese eine, unscheinbare Baumart gegen die Klimakrise

Deshalb setzen österreichische Förster auf diese eine, unscheinbare Baumart gegen die Klimakrise

Die Waldbrände im Süden Österreichs, Rekordtemperaturen in Wien und Überschwemmungen in den Alpen – die Auswirkungen des Klimawandels stellen unsere Ökosysteme auf eine harte Probe. Wälder, die für uns lebenswichtig sind, leiden besonders. Doch inmitten dieser Herausforderungen gibt es einen unscheinbaren Helden. Experten haben eine Baumart identifiziert, die selbst die schlimmsten Klimaszenarien überdauern könnte. Warum der Stieleiche (Quercus robur) eine Schlüsselrolle für die Zukunft unserer Wälder zukommt, sollten Sie jetzt wissen.

Ich habe mir die Forschungsergebnisse der Universität Wien angesehen, und sie zeigen: Nur eine Handvoll Baumarten hat eine realistische Chance, bis zum Jahr 2100 in Europa dauerhaft zu überleben. Die Stieleiche ist ihr Top-Kandidat. Das ist mehr als nur eine botanische Randnotiz – es ist eine Strategie für die Wiederaufforstung in einer sich schnell verändernden Welt.

Das Geheimnis der Stieleiche: Warum dieser Baum fast alles wegsteckt

Was macht die Stieleiche so widerstandsfähig? Sie ist in Europa heimisch und hat sich in Jahrhunderten an fast jedes Klima angepasst – von feuchten Ebenen bis zu trockeneren Zonen. Für mich ist diese unscheinbare Eiche der Inbegriff des Überlebenskünstlers.

Die versteckte „Superkraft“: Ökologische Plastizität

Der Fachbegriff lautet ökologische Plastizität. Das bedeutet einfach, dass der Baum seinen Bauplan je nach Umweltbedingungen anpasst. Während andere Arten wie die Buche in Österreich schon jetzt unter der zunehmenden Hitze leiden und regelrecht „dürsten“, zeigt die Stieleiche ungeahnte Flexibilität.

Hier sind die Fakten, die jeder Waldbesitzer kennen sollte:

  • Sie verträgt extreme Temperaturschwankungen: Sehr kalte Winter und glühend heiße Sommer gehören zum Überlebensrepertoire.

  • Sie ist nicht wählerisch beim Boden: Obwohl sie nährstoffreiche, gut durchlässige Böden bevorzugt, kommt sie auf vielen Untergründen zurecht.

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  • Ihr Wurzelsystem ist ein Tiefwassermagnet: Das massive Wurzelwerk gräbt sich tiefer ein als das vieler Konkurrenten. Das ist ihre Lebensversicherung in Dürreperioden, wie wir sie in Teilen Niederösterreichs erlebt haben.

Warum Förster jetzt Buche meiden und Eiche pflanzen

In den letzten Jahrzehnten waren Buchen und Fichten in Österreich dominant. Heute sehen wir das Dilemma: Die Fichte leidet unter dem Borkenkäfer, und die Buche stirbt reihenweise in Trockenjahren ab. Die Stieleiche bietet hier eine dringend benötigte Alternative.

Die Stieleiche ist ein Hitzemanager: Bei extremer Trockenheit drosselt sie ihren Stoffwechsel. Sie „schaltet auf Sparflamme“ und optimiert ihren Wasserverbrauch, anstatt sofort aufzugeben. Das macht sie zu einem idealen Kandidaten, wenn wir unsere Wälder klimafit machen wollen.

Der Insider-Tipp: So erhalten Sie die Stabilität Ihres Waldes

Die Stieleiche erfüllt jedoch nicht nur die Funktion eines Klimapuffers. Sie ist auch ein fundamentales Element der Biodiversität. Ich habe festgestellt: Ein einziger Eichenbaum ist ein kleines Ökosystem für sich.

Ein Beispiel: Sie bietet Habitat für unzählige Insekten und Vögel. Ihre Früchte sind eine wichtige Nahrungsquelle für Wildtiere. Sie sorgt für eine stabile Umgebung, die die natürliche Regeneration anderer Pflanzen unterstützt. Wenn Sie die Natur unterstützen wollen, unterstützen Sie Ihre Eichenbestände.

Das unterschätzte Risiko: Wo auch die Stieleiche an ihre Grenzen stößt

Bevor Sie jetzt Ihren gesamten Wald auf Stieleiche umstellen, bedenken Sie: Unverwundbar ist auch dieser Baum nicht. In meiner Praxis sehe ich zwei Hauptschwachstellen:

1. Extreme und langanhaltende Dürre: Die Stieleiche überlebt moderate Trockenheit. Aber wenn die Wasserknappheit über Jahre anhält, wie es sich in den schlimmsten Klimaszenarien abzeichnet, wird es auch für sie eng. Ihr Cousin, die Flaum-Eiche (Quercus pubescens), die in den trockeneren Regionen Südeuropas heimisch ist, ist hier noch besser aufgestellt.

2. Neue Krankheiten: Steigende Temperaturen fördern die Ausbreitung von Pilzen und Schädlingen. Die Stieleiche ist anfällig für das sogenannte Eichensterben, das durch bestimmte Pilze und Insekten ausgelöst wird. Wenn diese Bedrohungen zunehmen, könnte ihre Widerstandsfähigkeit sinken.

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Die konkrete Anweisung: Was wir jetzt tun müssen

Die Wissenschaft ist sich einig: Ein „Weiter so“ ist in der Forstwirtschaft ein fataler Fehler. Wir müssen handeln, aber smart – nicht in Panik.

So machen Sie Ihren Baumbestand klimafest:

  • Diversifizieren Sie Ihre Pflanzungen: Pflanzen Sie die Stieleiche nicht in Monokulturen. Eine Mischung verschiedener, anpassungsfähiger Arten ist der Schlüssel. Das schützt den Wald vor dem flächendeckenden Aussterben durch eine einzige Krankheit.

  • Platz schaffen: Mein wichtigster praktischer Tipp: Begrenzen Sie die Dichte der Pflanzungen. Werden Bäume zu eng gesetzt, konkurrieren sie stark um Wasser. Wenn Sie den jungen Bäumen mehr Raum geben, reduzieren Sie den Trockenstress und verbessern ihren Zugang zu knapper werdenden Ressourcen.

  • Alte Eichen schützen: Wenn eine alte Eiche schon erste Schwächezeichen zeigt – lassen Sie sie stehen! Diese alten Bäume erzeugen ein Mikroklima, das Schatten spendet und die Luftfeuchtigkeit reguliert. Das hilft jungen Setzlingen in ihrer unmittelbaren Umgebung, Extremwetter besser zu überstehen.

Die Stieleiche ist zweifellos eine unserer zuverlässigsten Wetten im Kampf gegen die schlimmsten Folgen des Klimawandels. Ihre Robustheit und ökologische Bedeutung sind ein Hoffnungsschimmer für die Zukunft der österreichischen Wälder.

Aber sie ist kein Wundermittel. Die Zukunft unserer Wälder hängt von intelligenter Bewirtschaftung ab, von dem Mut, vielfältiger zu pflanzen, und von unserem Willen, langfristig zu denken. Setzen wir auf die Eiche, aber vergessen wir nicht die anderen Strategien.

Daher meine Frage an Sie: Welche Baumarten sehen Sie in Ihrem lokalen Umfeld in Österreich besonders stark unter den Klimaveränderungen leiden und welche scheinen die Zukunft zu sein?

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