Hand aufs Herz: Die Weihnachtsbäckerei in Österreich ist ein Ritual, das man liebt und hasst. Besonders die Vanillekipferl – sie sind der Inbegriff der Adventszeit, aber die Zubereitung treibt jeden Hobb Bäcker an den Rand der Verzweiflung. Sie brechen, sie werden hart, und selten gelingen sie so zart, wie sie sollten.
Ich habe diesen Kampf jahrelang geführt, bis ich auf ein Rezept gestoßen bin, das einen kleinen Paradigmenwechsel in der Keks-Welt auslöst: die sogenannten „Traumstücke“. Sie sind nicht nur um ein Vielfaches einfacher, die Kombination aus hohem Eigelb-Anteil und Vanille lässt sie buchstäblich auf der Zunge zergehen. Lesen Sie jetzt, warum Sie dieses Jahr zumindest die Hälfte Ihrer Kipferl-Produktion durch diese himmlischen Happen ersetzen sollten.
Der Insider-Trick: Was diese Kekse so unwiderstehlich macht
Das Geheimnis der Zartheit liegt in der speziellen Fett-Ei-Mischung. Während viele Weihnachtskekse auf das volle Ei oder nur das Eiklar setzen, verwenden die Traumstücke eine ungewöhnliche Menge an Eigelb.
Für relativ wenig Mehl kommen hier fünf Eigelb zum Einsatz. Dieses Verhältnis sorgt dafür, dass der Teig beim Backen unglaublich mürbe bleibt und nicht Gummi-artig wird.
Die 4 Vorteile der „Traumstücke“ gegenüber den Kipferln
- Kein Brechen: Durch das Formen zu Scheiben entfällt die mühsame Kipferl-Form und das Risiko, dass die fertigen Kekse beim Wenden zerfallen.
- Blitzschnelle Zubereitung: Der Teig lässt sich in 10 Minuten kneten, die Scheiben sind fix geschnitten. Keine langen Ruhezeiten im Kühlschrank notwendig.
- Maximales Vanille-Aroma: Durch die hohe Dosis Vanille (frische Schoten oder Vanillezucker) entfaltet sich der Geschmack intensiver als in manch anderem Mürbteig.
- Die „Lauwarme“ Explosion: Wie ich in meinem Test festgestellt habe, schmecken diese Kekse am allerbesten, wenn sie noch leicht warm sind. Man muss sich wirklich beherrschen, nicht das ganze Blech sofort zu vernaschen.

Das einfache Rezept: So gelingen die himmlischen Happen
Dieses Rezept ist so narrensicher, dass es selbst Küchentalente ohne den „Grünen Daumen“ für Backwaren meistern.
Zutaten (Für ca. 50 Stück)
- 300 g Mehl
- 200 g weiche Butter (bitte keine Margarine verwenden!)
- 150 g Zucker (oder 130 g + 2 Pck. Vanillezucker)
- 5 Eigelb
- Mark von 2 Vanilleschoten, oder 2 Pck. Vanillezucker
- 100 g Puderzucker zum Bestäuben
Mein Tipp aus der Praxis in Wien: Wenn Sie gerade keinen echten Vanillezucker parat haben, der heimische Wiener Zucker Vanillin-Zucker tut es im Notfall auch, aber reduzieren Sie die Zuckermenge um 20 g, da dieser oft intensiver süßt.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Vorbereitung: Heizen Sie den Ofen auf 180 °C Ober-/Unterhitze vor. Sieben Sie das Mehl in eine große Schüssel.
- Der Teig: Geben Sie die weiche Butter in Stücken, Zucker, das Eigelb und das Vanillemark (oder den Vanillezucker) zum Mehl. Verarbeiten Sie alles schnell zu einem glatten Teig. Ein Handmixer mit Knethaken ist ideal.
- Die Form: Teilen Sie den Teig in Segmente und rollen Sie diese zu gleichmäßigen, langen Strängen mit etwa 2,5 cm Durchmesser. Sie sollten fest sein, aber nicht reißfest.
- Schneiden: Schneiden Sie die Rollen mit einem scharfen Messer in etwa 2 cm dicke Scheiben. Dies sind Ihre „Traumstücke“.
- Backen: Legen Sie die Scheiben mit etwas Abstand auf ein mit Backpapier belegtes Blech. Backen Sie sie für genau 15 Minuten. Sie sollen nur leicht goldgelb sein, nicht braun.
- Finish: Lassen Sie die Kekse abkühlen und bestäuben Sie sie großzügig mit Puderzucker.

Der Personalisierungs-Hack: So werden sie noch individueller
Das Wunderbare an diesem einfachen Grundrezept ist, wie leicht es an Ihren Geschmack angepasst werden kann. Vergessen Sie langweilige Kekse, die alle gleich schmecken!
Möchten Sie einen Hauch Frische? Fügen Sie dem Teig einen Teelöffel fein abgeriebene Schale einer Bio-Zitrone oder Orange hinzu. Achten Sie darauf, nur das Bunte abzureiben, da das Weiße bitter schmeckt.
- Für Marzipan-Liebhaber: Ein bis zwei Tropfen Mandelaroma im Teig verstärken den winterlichen Geschmack.
- Die Schoko-Variante: Ersetzen Sie 50 g Mehl durch 50 g feines Kakaopulver für eine dunkle (und saftigere) Version.
Achtung: Die Backzeit von 15 Minuten ist ein Muss. Wenn Sie zu lange backen, verlieren die Traumstücke ihre zarte Konsistenz und werden hart.
Zusammenfassung
Die „Traumstücke“ bieten die perfekte Kombination aus dem geliebten Vanille-Geschmack der Weihnachtszeit und einer kinderleichten Zubereitung. Mit ihrer Eigelb-reichen Basis sind sie eine ernstzunehmende Konkurrenz für die traditionellen Vanillekipferl. Glauben Sie mir, ich war skeptisch, aber das Ergebnis spricht für sich.
Haben Sie dieses Jahr schon Ihre ersten Weihnachtskekse gebacken? Welches Rezept würden Sie niemals aus Ihrer Adventstradition streichen? Teilen Sie Ihre Erfahrungen in den Kommentaren!

