Warum erfahrene Österreicher ihren Kleiderschrank nicht mehr nach dem Chaos-Prinzip aufräumen

Warum erfahrene Österreicher ihren Kleiderschrank nicht mehr nach dem Chaos-Prinzip aufräumen

Sie kennen das Gefühl: Die Kästen quellen über, Erinnerungsstücke stapeln sich, und der Gedanke ans Aufräumen löst Stress aus. Dabei geht es nicht nur um den Staub – es geht um den mentalen Ballast. Überraschung: Ein neuer Aufräum-Trend aus Schweden, das sogenannte „Döstädning“ (zu Deutsch: „Todes-Reinigung“), verspricht mehr als nur Ordnung. Es ist eine radikale Lebensinventur, die Ihnen sofort mehr Klarheit verschafft.

Doch Vorsicht: Diese Methode ist nichts für zarte Gemüter. Sie zwingt Sie, eine sehr ernste Frage zu stellen, die jeder in Österreich früher oder später beantworten muss. Wir haben die schwedische Expertin Margareta Magnusson studiert und zeigen Ihnen, warum diese „Reinigung vor dem Tod“ gerade jetzt so relevant ist – auch wenn Sie noch jung sind.

Der wahre Schock-Faktor: Belasten Sie Ihre Kinder (unbewusst)?

In meiner journalistischen Praxis spreche ich oft mit Menschen, die nach dem Tod eines Angehörigen vor Bergen von Erbstücken stehen. Und ich bemerke immer wieder: Das größte Problem ist nicht der emotionale Verlust, sondern der materielle Ballast. Kisten über Kisten mit Dingen, deren Bedeutung niemand mehr kennt. Das ist der Kern von Döstädning.

Die schwedische Autorin Margareta Magnusson hat mit ihrem Buch „The Gentle Art of Swedish Death Cleaning“ eine Bewegung ausgelöst, die weit über das Entrümpeln hinausgeht. Es geht darum, Besitz loszulassen, um sowohl das eigene Leben als auch das Leben der Angehörigen zu erleichtern, wenn man nicht mehr da ist. Es klingt düster, aber ich versichere Ihnen: Es ist ungeheuer befreiend.

Warum die herkömmliche Entrümpelung bei uns in Wien oder Graz versagt

Wenn wir aufräumen, fokussieren wir uns meist auf uns selbst: Was brauche ich jetzt? Döstädning dreht den Spieß um: Was brauchen Eure Liebsten nicht, wenn sie sich später um Euren Nachlass kümmern müssen? Wir Österreicher neigen oft dazu, Dinge aufzuheben – Stichwort „Das könnte man noch brauchen“.

Diese Methode ist besonders nützlich, wenn große Lebensveränderungen anstehen, wie der Ruhestand, ein Umzug in eine kleinere Wohnung oder einfach der Wunsch nach einem minimalistischeren Dasein. Es ist eine Geste der Liebe an die Nachwelt, die besagt: „Ich habe für euch schon aufgeräumt.“

Warum erfahrene Österreicher ihren Kleiderschrank nicht mehr nach dem Chaos-Prinzip aufräumen - image 1

Ihre 5-Schritte-Anleitung: So starten Sie das Swedish Death Cleaning heute

Der Gedanke, den gesamten Haushalt durchzugehen, lähmt. Deshalb empfehle ich, klein anzufangen. Aber mit der richtigen Strategie. Viele übersehen, dass die Sortierung nach Kategorien effektiver ist als nach Räumen. Vergessen Sie die Wohnzimmer-Methode. Konzentrieren Sie sich auf die Masse.

Hier ist der praxisnahe Fahrplan, den ich für die Umsetzung in einem typischen österreichischen Haushalt empfehle:

1. Der Kategorie-Fokus statt Raum-Chaos

Kündigen Sie dem Keller den Krieg an, aber unterteilen Sie den Besitz strategisch. Dies verhindert, dass Sie emotionale Entscheidungen treffen, wenn Sie in einem einzigen sentimentalen Raum stecken bleiben.

  • Kleidung (Der Klassiker: Was wurde länger als ein Jahr nicht getragen?)
  • Bücher & CDs (Die meisten davon sind digital verfügbar – trennen Sie sich von Platzfressern.)
  • Erinnerungsstücke (Die schwierigste Kategorie fassen wir zum Schluss an!)
  • Digitaler Ballast (Fotos, alte E-Mails, ungenutzte Accounts – das ist oft der größte unsichtbare Müll.)

2. Das „Death Cleaning Journal“ anlegen (Der Lifehack)

Das ist das Herzstück der Organisation, das viele beim normalen Ausmisten vergessen. Führen Sie ein Notizbuch, in dem Sie genau festhalten, was mit welchem Gegenstand passieren soll: wer es erben, wann es gespendet oder verkauft werden soll. Transparenz ist hier das A und O.

Tipp: Wenn Sie wertvolle Erbstücke haben (z.B. Schmuck von der Großmutter), vermerken Sie, wer die Geschichte dazu kennt. Ein Erbe ohne Kontext ist nur ein Haufen Material.

Warum erfahrene Österreicher ihren Kleiderschrank nicht mehr nach dem Chaos-Prinzip aufräumen - image 2

3. Die harte Frage: Wer kümmert sich darum?

Stellen Sie sich vor, Sie sind nicht mehr da. Und nun fragen Sie sich ehrlich: Wer würde diesen Gegenstand (z.B. die spezielle Hobbysammlung, die Kiste voller unentwickelter Fotos oder die exotischen Reise-Souvenirs) wirklich gebrauchen, verstehen oder wertschätzen? Wenn niemand diese Aufgabe übernehmen möchte – dann darf es gehen.

4. Werte bewusst weitergeben

Statt Dinge im Testament zu verstecken, geben Sie wertvolle Gegenstände schon zu Lebzeiten weiter. Schenken Sie zum Beispiel der Nichte jetzt das alte Familienservice und erzählen Sie die Geschichte dazu. Das schafft eine emotionalere Verbindung. Außerdem reduziert es den Berg, der später entsorgt werden muss, enorm.

5. Beziehen Sie die Familie mit ein

Döstädning ist keine einsame Mission. Sprechen Sie mit Ihren Angehörigen. Vielleicht möchte Ihr Sohn das alte Mountainbike, das Sie seit 10 Jahren im Keller in Niederösterreich stehen haben, gar nicht. Vielleicht wünscht sich Ihre Tochter aber genau jenen alten Kochtopf. Indem Sie im Dialog bleiben, vermeiden Sie Missverständnisse und verteilen die Last fair.

Der größte Gewinn: Mentale Entlastung jetzt

Viele glauben, diese Methode sei nur für Ältere geeignet. Absoluter Trugschluss! Wer im Alter von 30 oder 40 Jahren damit beginnt, verhindert, dass in den nächsten Jahrzehnten unlösbare Materialberge entstehen. Es geht um eine bewusstere, minimalistischere Lebensführung.

In unserem Alltag, oft überschattet von steigenden Mieten und dem Wunsch nach weniger Komplexität, bietet Döstädning eine konkrete Strategie, um Kontrolle zurückzugewinnen. Es ist kein einmaliges Aufräumen, sondern eine andauernde Haltung.

Und jetzt zu Ihnen: Welcher Gegenstand in Ihrem Haushalt ist momentan die größte Belastung – mental oder physisch? Teilen Sie Ihre Erfahrungen in den Kommentaren!

Nach oben scrollen