Gehören Sie auch zu den 80 % der Österreicher, die während der beliebtesten ORF-Sendungen heimlich auf Instagram scrollen? Wir alle tun es. Wir nennen es Multitasking, aber die Wissenschaft hat einen ernüchternden Namen dafür: Medien-Multitasking. Statt uns auf den Film zu konzentrieren, scannen wir E-Mails, checken WhatsApp oder schauen nebenbei TikTok-Videos. Dauerbeschallung von allen Seiten ist Standard geworden.
Was sich harmlos anfühlt, ist laut Forscherteams der Stanford University ein massives Problem für unsere kognitive Fitness. Man gewöhnt sich an die Reizflut, doch der Preis, den unser Gehirn dafür zahlt, ist überraschend hoch. Hier sind die Gründe, warum Sie das Smartphone weglegen sollten, sobald der Fernseher angeht.
Der Mythos Multitasking: Warum Ihr Fokus kollabiert
In unserer Praxis sehe ich oft, wie Menschen stolz betonen, dass sie zwei Dinge gleichzeitig erledigen können. Bei Medien ist das jedoch eine reine Illusion. Unser Gehirn ist keine Parallelverarbeitungseinheit; es schaltet schnell zwischen den Aufgaben hin und her. Jede Umschaltung kostet Energie und vor allem Zeit.
Die größte Mitschuld trägt die damit verbundene Reizüberflutung. Stellen Sie sich Ihr Gehirn wie ein überlastetes Wiener Kaffeehaus vor: Es gibt überall Geräusche, und niemand kann sich auf ein einziges Gespräch konzentrieren. Wenn der TV läuft und das Handy leuchtet:
- Die akustischen Informationen des Films werden nur teilweise verarbeitet.
- Die visuellen Reize des Handys blockieren die emotionale Tiefe des TV-Inhalts.
- Das Gehirn filtert das Wichtigste nicht mehr heraus – es schaltet auf Durchzug.
Forscher beschreiben im Fachmagazin „Nature“, dass die Aufmerksamkeitsspanne bei Medien-Multitaskern drastisch kürzer ist als bei Personen, die sich auf nur ein Medium konzentrieren. Wenn Sie das Handy benutzen, senken Sie aktiv Ihre Fähigkeit, Dinge richtig wahrzunehmen.

H2: Langfristige Folgen für das Gedächtnis
Das vielleicht beunruhigendste Ergebnis der Studien ist der Zusammenhang zwischen Medien-Multitasking und der Gedächtnisleistung. Man könnte meinen, dass es egal sei, wenn man eine Dokumentation nicht ganz versteht, aber die Folgen sind subtiler und tiefgreifender.
Wie unser Gehirn Information „vergisst“
Wenn wir uns intensiv auf etwas konzentrieren, wird die Information vom Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis verschoben. Dieser Prozess erfordert Fokus. Wenn Sie abgelenkt sind, wird die Information nur oberflächlich gespeichert, wenn überhaupt. Es ist, als würden Sie einen Zettel auf einen Schreibtisch legen, anstatt ihn ordentlich abzuheften.
Die Wissenschaftler fanden heraus, dass das Gedächtnis von Menschen, die regelmäßig mehrere Medien gleichzeitig konsumieren, signifikant schlechter ist als in der Kontrollgruppe. Auch wenn dies keine dauerhaften Schäden wie bei einer schweren Krankheit bedeutet, ist es doch ein deutlicher Hinweis:
Die ständige Ablenkung trainiert unser Gehirn, wichtige Details schneller wieder zu vergessen.

H2: Der einfache Lifehack für mehr Präsenz im Alltag (Nicht nur beim TV)
Die gute Nachricht: Sie können diesen schlechten Fokus-Gewohnheiten entgegenwirken. Viele Experten, die ich interviewt habe, empfehlen eine einfache Regel, die wie ein mentaler Neustart wirkt und nichts kostet.
Die 5-Meter-Zigaretten-Regel
In Österreich gilt oft die Regel, dass Raucher 5 Meter von öffentlichen Eingängen entfernt stehen müssen. Wenden Sie dieses Prinzip auf Ihr Handy an, wenn Sie Zeit für Entspannung oder Fokus brauchen. Legen Sie das Smartphone beim Fernsehen, bei einem Podcast oder beim Abendessen mindestens fünf Meter entfernt von sich. Noch besser: Legen Sie es in ein anderes Zimmer.
Der psychologische Effekt ist enorm:
- Die visuelle Präsenz des Bildschirms verschwindet.
- Der Griff zum Handy ist nicht mehr intuitiv, sondern erfordert eine bewusste Anstrengung (Aufstehen, Laufen).
- Das Gehirn wird gezwungen, sich auf das zu konzentrieren, was vor ihm liegt – sei es ein Film, ein Gespräch oder ein Hörbuch.
Ich habe das selbst eine Woche lang getestet. Die anfängliche Leere, das „Phantom-Vibrieren“ des Handys, verschwand nach dem dritten Tag. Plötzlich habe ich die Handlung des „Tatorts“ wieder voll verstanden und mich besser an Gespräche mit meiner Familie erinnert. Wer Probleme hat, sich zu konzentrieren, sollte dieses Experiment noch heute Abend starten.
Das Fazit: Wenn Sie das nächste Mal bei einem spannenden Film das Handy zücken, erinnern Sie sich daran, dass Sie gerade aktiv Ihre eigene Aufmerksamkeitsspanne sabotieren. Gönnen Sie Ihrem Gehirn eine Pause und erlauben Sie ihm, sich endlich wieder auf eine Sache voll einzulassen.
Und jetzt zu Ihnen: Welche Sendung schauen Sie am häufigsten, während Sie heimlich am Handy sind, und fällt es Ihnen schwer, es wegzulegen? Teilen Sie Ihre Erfahrungen in den Kommentaren!

