Wenn Sie heute in einem österreichischen Büro oder einer Schule fragen, wofür die blaue (oder manchmal grüne) Seite des klassischen Radiergummis gut ist, bekommen Sie oft eine einfache Antwort: „Die ist für Tinte.“ Leider ist diese Annahme, so weit verbreitet sie auch ist, eine halbe Wahrheit, die oft zu einem Desaster führt: Löcher im Papier.
Ich habe das in meiner eigenen Schulzeit erlebt, und selbst heute sehe ich im Zeitalter der digitalen Notizen, dass dieser kleine Gegenstand immer noch ein großes Rätsel aufgibt. Es geht nicht nur darum, Tinte zu korrigieren. Es geht darum, wie das funktioniert und warum dieser Trick für Ihren Notizblock oder Ihre wichtige Urkunde eine Gefahr darstellt. Lesen Sie jetzt, um herauszufinden, warum die blaue Seite in Wien, Graz und Linz tatsächlich meist falsch eingesetzt wird.
Der wahre Unterschied: Nicht Farbe, sondern Härte entscheidet
Die meisten kennen die rote (oder rosa), weichere Seite. Sie funktioniert wunderbar für Bleistiftspuren (Graphit). Sie nimmt das Graphit von der Oberfläche auf, ohne die darunterliegende Papierstruktur anzugreifen.
Die blaue Seite hingegen? Sie ist viel härter. Und das ist der Punkt. Die härtere Mischung entsteht durch die Beimischung von Schleifmitteln, oft Quarzmehl, was ihr eine fast schmirgelpapierartige Textur verleiht. Hier liegt die Crux:
- Die rote Seite: Fungiert als „Graphit-Fänger“.
- Die blaue Seite: Ist ein Mikro-Schleifmittel.
Warum „Tinte entfernen“ der Hauptfehler ist
Der ursprüngliche Gedanke war gut: Tinte dringt tiefer in die Papierfasern ein als Graphit. Um sie zu entfernen, reicht einfaches Wegwischen nicht. Man muss die oberste Schicht des Papiers abtragen. Genau das tut die blaue Seite.

Aber es gibt einen Haken, besonders bei modernem, dünnen Papier, wie wir es oft in den Schulheften oder billigen Notizblöcken aus österreichischen Supermärkten finden:
Beim Versuch, die Tinte zu entfernen, reiben Sie die obersten Fasern ab. Und wenn man beim Reiben nicht extrem vorsichtig ist, tritt genau das ein, was wir alle befürchten: Das Papier wird dünn und reißt ein Loch.
Der Insider-Vibe: Wofür Profis die blaue Seite wirklich nutzen
In den meisten modernen Kontexten ist die blaue Seite für das Entfernen von Tinte auf dünnem Papier überholt und schlicht zu aggressiv. Aber es gibt Bereiche, in denen ihre Schmirgel-Eigenschaft Gold wert ist. Ich bin in meiner Praxis auf drei überraschende Lifehacks gestoßen, die diesen harten Gummi sinnvoll einsetzen:
1. Der Geheimtipp gegen Metallspuren
Haben Sie schon einmal versucht, feine, schwarze Spuren von Metall (z. B. wenn der Schlüsselbund über die weiße Wand schrammt oder ein Stuhlbein den Linoleumboden streift) zu entfernen? Die blaue Seite funktioniert hier wie ein kleines, hochwirksames Scheuermittel:
- Gerade auf lackierten Möbeln oder Fliesen im Badezimmer (ein häufiges Problem in Wiener Altbauwohnungen) entfernt sie die hartnäckigsten Graffit- oder Metallabriebe.
- Dazu einfach mit sanftem Druck über die Spur reiben.
2. Reinigung von Elektronik (Vorsicht!)
Bevor das Internet auf SSDs und Flash-Speicher umstieg, nutzten Techniker die blaue Seite, um die Korrosion von goldplattierten Kontakten zu entfernen. Zum Beispiel die Kontakte von RAM-Riegeln oder Steckkarten.

Achtung: Nutzen Sie dies nur als absolute Notlösung und nur mit äußerster Vorsicht. Bei modernen, empfindlichen Bauteilen sollten Sie lieber spezielle Reiniger verwenden. Aber für einen leicht korrodierten USB-Stick oder alte Kontakte kann es Wunder wirken.
3. Der Trick gegen Schuhsohlen-Schmutz
Im Herbst und Winter, wenn man in Österreich viel durch Matsch und Schneematsch läuft, bleiben oft kleine, schwarze Gummireste oder Verfärbungen an hellen Schuhsohlen hängen. Chemische Reiniger schaden oft dem Material.
Die abrasive blaue Seite kann hier punktuell diese schwarzen Streifen wegradieren – perfekt für Turnschuhe oder helle Sneaker, die man nicht komplett in die Waschmaschine geben will.
Fazit: Die blaue Seite ist kein Tinten-Killer, sondern ein Putz-Geheimnis
Der Mythos hält sich hartnäckig, aber moderne Radiergummis mit blauer Seite erfüllen seltener den Zweck, Tinte zu entfernen, als vielmehr, als präzises Schleifmittel für kleine Flecken im Haushalt zu dienen. Denken Sie daran: Verwenden Sie auf normalem Papier immer die weiche Seite. Die harte, blaue Seite ist Ihr Mini-Schmirgelpapier für Oberflächenprobleme abseits des Schreibtischs.
Haben Sie die blaue Seite auch schon einmal für einen ungewöhnlichen Putz-Trick verwendet? Teilen Sie Ihre Erfahrungen in den Kommentaren!

