Warum erfahrene Gärtner ihre Amaryllis im Winter fast nie gießen

Warum erfahrene Gärtner ihre Amaryllis im Winter fast nie gießen

Es ist das festlichste Geschenk der Wintersaison, das in Österreich oft unter dem Christbaum landet: die Amaryllis. Mit ihren prächtigen, trompetenartigen Blüten in leuchtendem Rot oder reinem Weiß bringt sie zuverlässig Farbe in die graueste Dezemberstimmung. Doch hier beginnt oft das Drama: Diese Schönheit, die so robust wirkt, erliegt in vielen Haushalten innerhalb von 48 Stunden dem Tod. Der Grund dafür ist ein gut gemeinter, aber absolut tödlicher Fehler, den fast jeder sofort begeht, wenn er die Pflanze in die Hand nimmt.

Ich habe in meiner Praxis bemerkt, dass bei dieser Pflanze die intuitivste Pflege (viel Wasser) genau das Gegenteil von dem bewirkt, was sie braucht. Werden Sie zur Ausnahme und erfahren Sie, wie Sie Ihre Amaryllis nicht nur retten, sondern jahrelang behalten können.

Das 48-Stunden-Fluch: Was passiert, wenn Gießen zum Todesurteil wird

Die Amaryllis (botanisch: Hippeastrum) ist der Star jeder österreichischen Gärtnerei im Advent. Sie strahlt Eleganz und Lebensfreude aus, gerade wenn draußen der Schnee fällt und die Luftfeuchtigkeit niedrig ist. Sie kaufen sie, stellen sie auf die Fensterbank (wo die Heizung läuft!) und denken: „Sie sieht ein bisschen trocken aus, ich muss ihr etwas Gutes tun.“

Warum Ihre Fürsorge sie umbringt

Viele von uns haben den Reflex, neue Zimmerpflanzen sofort großzügig zu gießen. Bei Kakteen wäre der Fehler offensichtlich, doch beim vermeintlich durstigen Bulbenträger Amaryllis ist die Sache subtiler. Hier liegt der verhängnisvolle Irrtum:

  • Die Amaryllis speichert Wasser und Nährstoffe in ihrer riesigen Zwiebel (dem Bulbus).
  • Sie ist kein Fan von konstant feuchter Erde. Sie bevorzugt Trockenheit.
  • Die meisten Töpfe und Übertopfe lassen kein Wasser abfließen, was zu Staunässe führt.

Wenn Sie überwässern, setzt sofort der Fäulnisprozess im Bulbus ein. Die Folge? Die Blätter werden gelb, die majestätischen Blütenstiele knicken ein, und die ganze Pflanze „schmilzt“ förmlich dahin. Das bulbus wird schwammig und riecht unangenehm.

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Der Insider-Trick: Der Schuss Wasser alle 14 Tage

Wenn ich mit erfahrenen Floristen in Wien spreche, betonen sie immer wieder: Amaryllis ist eine Pflanze der Sparsamkeit, nicht der Fülle. Ihre Langlebigkeit hängt davon ab, dass Sie Ihre Gießkanne zurückhalten. Es funktioniert wie ein Durst-Trainer: Sie lernen, nur dann Wasser zu geben, wenn die Pflanze es wirklich „bittet“.

Die goldene Regel: Trockenheit ist Ihr Freund

Vergessen Sie die tägliche oder wöchentliche Routine. In den geheizten Wohnzimmern in Österreich im Winter ist die Luft zwar trocken, die Erde aber kühler, was die Verdunstung verlangsamt. Dies ist die exakte Schritt-für-Schritt-Anleitung, die ich selbst verwende:

Bevor Sie überhaupt gießen:

  1. Prüfen Sie die Erde: Stecken Sie idealerweise den Finger zwei bis drei Zentimeter tief in den Topf. Ist die Erde dort noch feucht? Dann warten Sie.
  2. Achten Sie auf das Gewicht: Ein trockener Topf fühlt sich viel leichter an als ein nasser.

Die Gieß-Routine (maximal alle 10 bis 15 Tage):

  • Gießen Sie das Wasser gezielt an den Rand des Topfes, niemals direkt auf den Bulbus (die Zwiebel).
  • Geben Sie nur eine kleine Menge Wasser. Besser zu wenig als zu viel.
  • Entfernen Sie nach 15 Minuten rigoros das überschüssige Wasser aus dem Übertopf. Stehende Nässe ist reines Gift.

Viele vernachlässigen auch das Substrat. Wenn Sie die Pflanze im Dezember kaufen, achten Sie darauf, dass der Topf unten ein Ablaufloch hat. Ideal ist ein leichtes Gemisch aus Universalerde und etwas Sand oder Blähtonkugeln am Boden, um die Drainage zu perfektionieren.

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Was nach der Blüte kommt: Die Amaryllis für das nächste Jahr vorbereiten

Die größte Enttäuschung ist, wenn die Blüten im Jänner verblüht sind und man die Pflanze entsorgt. Dabei kann eine Amaryllis über ein Jahrzehnt lang immer wieder blühen!

Das Geheimnis liegt darin, den Bulbus für die Ruhephase fit zu halten. Sobald die letzte Blüte verwelkt ist, schneiden Sie vorsichtig den Blütenstiel ab, aber lassen Sie die Blätter (das Laub) unversehrt. Die Blätter sind die „Solarpanels“ der Pflanze, die nun Energie in den Bulbus zurückführen müssen, um die Blüte für den nächsten Winter vorzubereiten. In dieser Phase (Frühling und Sommer) reduzieren Sie das Gießen noch stärker.

Im Herbst kommt der „Schock“: Um eine erneute Blüte zu stimulieren, muss die Pflanze in eine Ruhephase eintreten. Stellen Sie den Topf an einen kühlen, dunklen Ort (Keller oder eine kühle Abstellkammer) und gießen Sie nun fast gar nicht mehr – vielleicht einmal im Monat, wirklich nur symbolisch. Im November holen Sie die Zwiebel ins Warme zurück und beginnen vorsichtig, die Gießmenge wieder zu erhöhen. So reproduzieren Sie ihren natürlichen Lebenszyklus und garantieren eine neue Blütenpracht pünktlich zum nächsten Advent.

Die Amaryllis ist keine Diva, sie ist nur missverstanden. Sie verlangt nicht viel, aber sie ist intolerant gegenüber einem einzigen Fehler: Überwässerung. Lassen Sie daher beim nächsten Mal die Gießkanne stehen. Sie werden sehen, wie diese minimalistische Pflege sie in einen langlebigen Winterfreund verwandelt.

Ihre Meinung zählt!

Haben Sie selbst schon einmal eine Amaryllis gerettet, die fast ertrunken wäre? Oder kennen Sie andere Tricks, um Zwiebelpflanzen im Winter am Leben zu erhalten? Teilen Sie uns Ihre Erfahrungen in den Kommentaren mit!

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