Wenn Sie beim letzten Besuch bei IKEA wieder einmal vor einem Regal mit der Aufschrift „Fjälkinge“ oder „Köttbullar“ standen, haben Sie sich wahrscheinlich gefragt, was sich die Schweden dabei denken. Wir in Österreich sehen diese Namen oft als charmantes, aber manchmal auch verwirrendes Kauderwelsch. Aber ich habe in meiner Recherche festgestellt: Das ist kein Zufallsprodukt, sondern ein streng wissenschaftliches Benennungssystem.
Viele von uns nehmen die Namen wie „Busa“ oder „Kagge“ einfach hin. Doch ich bin der Sache auf den Grund gegangen. Wenn Sie wissen, dass der Name eines Sofas immer einen schwedischen Ortsnamen trägt und eine Lampe nach einem Musikbegriff benannt wird, verändert das nicht nur Ihre Sicht auf IKEA, sondern hilft Ihnen sogar, die Produkte im riesigen Katalog schneller zu finden. Und Achtung: Manche Namen sind im Deutschen unfreiwillig komisch, was die internationalen Namens-Strategen fast übersehen hätten.
Warum IKEA ein eigenes Wörterbuch für Möbel braucht
Die größte Herausforderung für IKEA war immer die Globalisierung. Ein einfacher numerischer Code (wie bei manchen Baumarktketten) wäre langweilig und schwer zu merken. Ein richtiger Name dagegen erzeugt eine Beziehung zum Produkt – aber nur, wenn er weltweit funktioniert. Deshalb sucht ein eigenes Team aus Sprachexperten ständig nach Taufpaten für die Neuzugänge.
In meiner Recherche habe ich gelernt, dass Mitarbeiter Landkarten, Geburtsanzeigen und sogar Wörterbücher durchforsten. Aber da ist ein Haken:
- Die internationale Prüfung: Bevor ein einfacher schwedischer Name wie „Fika“ (Kaffeepause) oder „Kaka“ (Kuchen) global eingeführt wird, muss er daraufhin geprüft werden, ob er in 40 anderen Sprachen anstößig klingt.
- Der Lokale Humor: Manchmal geht dieser Test schief. Ich bin in Österreich über einige Namen gestolpert, die im schwedischen Original völlig harmlos sind, aber im österreichischen (oder deutschen) Sprachraum für Schmunzeln sorgen (wie zum Beispiel „Gutvik“, ein Kinder-Etagenbett, das vom Markt genommen werden musste).
Das verblüffende IKEA-Klassifizierungssystem: Wissen Sie, wo Ihr Schreibtisch herkommt?
Das ist der Kern des Insider-Wissens: Hinter jedem Produktnamen steckt eine feste Kategorie. Wenn Sie sich einmal merken, dass alle Betten nach norwegischen Orten benannt sind, wissen Sie sofort, wo Sie suchen müssen.
Ich habe das System für Sie aufgeschlüsselt. Beachten Sie, wie spezifisch die Kategorien sind:

- Sofas, Sessel und Couchtische: Immer schwedische Ortsnamen (z.B. Söderhamn, Landskrona).
- Lampen: Wörter aus Bereichen wie Musik, Meteorologie, Monate oder Boote (z.B. Melodi, Årstid).
- Schreibtische und Stühle: Männliche Vornamen (z.B. Micke, Alex).
- Vorhänge und Stoffe: Weibliche Vornamen (z.B. Gjertrud, Teresia).
- Küchenprodukte: Fische, Pilze, Kräuter oder Beeren (z.B. Variera).
- Gartenmöbel: Schwedische Inseln (z.B. Sollerön).
- Bettwäsche und Kissen: Blumen, Pflanzen und Edelsteine (z.B. Kungsblomma).
Die praktische Erkenntnis: Wenn Sie das nächste Mal einen neuen Schreibtisch suchen, können Sie davon ausgehen, dass Sie ihn im Katalog schneller finden, wenn Sie auf männliche Vornamen achten. Diese Vorgehensweise spart im digitalen Katalog von IKEA Austria tatsächlich Zeit.
Der Insider-Blick: Die lustigsten Namen und ihre wahre Bedeutung
Einige der IKEA-Namen im Sortiment wirken für uns in Mitteleuropa einfach nur kurios. Ich war überrascht, wie harmlos die schwedische Bedeutung dahinter ist. Das ist der Moment, in dem die Sprachbarriere für unerwarteten Humor sorgt:
ÄPPELKAKA: Klingt zwar lustig, bedeutet aber schlicht Apfelkuchen (äppel = Apfel, kaka = Kuchen). Ein Name, der auf einem Geschirrtuch zu finden ist.
BUSA: Keine Unterwäsche, wie manche vermuten könnten! Das ist ein Spielzelt, denn busa bedeutet auf Schwedisch „Unfug treiben“. Etwas, das jedes Kind in einem Wiener Gemeindebau sofort verstehen würde.
FEJKA: Dieser Name ist ehrlich. Es handelt sich um eine künstliche Topfpflanze, da fejka im Schwedischen „vortäuschen“ oder „fälschen“ heißt. Eine überraschend ehrliche Produktbezeichnung.

KAGGE: Ein lustig klingender Name im Deutschen. Es handelte sich dabei um eine Glasvase. Die Bedeutung? Kagge heißt schlicht „Fässchen“.
Der obligatorische Tipp: Wie man die Köttbullar richtig ausspricht
Kein IKEA-Besuch ohne die berühmten Fleischbällchen. Fast jeder kennt sie als Köttbullar. Doch Achtung vor der Aussprache, wenn Sie sich das nächste Mal an einem Schweden wenden:
Das schwedische „Ö“ ist ein weicher Vokal, der oft wie ein kurzes „Ü“ klingt. Der Buchstabe „K“ wird vor manchen Vokalen wie ein „SCH“ ausgesprochen.
Aussprache-Lifehack: Sagen Sie nicht „Köttbúllar“. Die korrekte schwedische Aussprache (zumindest annähernd) ist „Schöttbüllar“. Probieren Sie es beim nächsten Mal im IKEA-Restaurant in Haid (Oberösterreich) aus; Sie werden positive Reaktionen ernten. Das vegetarische Pendant nennt sich übrigens Grönsaksbullar (Gemüsebällchen).
Fazit: IKEA spricht eine universelle Sprache, aber mit Akzent
Was auf den ersten Blick wie ein verrücktes Durcheinander von Vornamen und geografischen Orten wirkt, entpuppt sich als ein geniales System, das IKEA geholfen hat, weltweit einzigartig zu sein. Das Wissen über diese Systematik macht den nächsten Einkauf nicht nur effizienter, sondern auch viel unterhaltsamer.
Ich persönlich bin überzeugt, dass die kleinen Sprach-Missverständnisse den Charme ausmachen. Aber jetzt bin ich neugierig: Welchen IKEA-Namen halten Sie für den skurrilsten im aktuellen Sortiment?

