Ich dachte jahrelang, ich mache alles richtig. Zahnbürsten im Glas, offen am Waschbecken – praktisch, schnell erreichbar. Erst als ich eine Reportage über die unsichtbaren Feinde im Bad sah, wurde mir klar: Wir begehen einen Hygiene-Fauxpas, der direkten Einfluss auf unsere Mundgesundheit hat. Für alle, die ein Standard-Bad in einer Wiener Altbauwohnung haben, ist das eine Sofort-Maßnahme.
Es geht nicht nur um das, was Sie sehen, sondern um den „Aerosol-Nebel“, den kaum jemand auf dem Schirm hat. Lesen Sie jetzt, warum Sie Ihre Putzgewohnheiten ändern müssen, bevor die nächste Erkältung oder Mundinfektion vor der Tür steht.
Der unsichtbare Feind: Was passiert beim Spülen?
Die meisten österreichischen Haushalte haben ein kombiniertes Bad, bei dem das WC nahe am Waschbecken steht. Das ist Standard, aber riskant. Das Kernproblem ist der Spülvorgang. Beobachten Sie sich selbst: Schließen Sie den WC-Deckel, bevor Sie spülen?
Die Antwort ist meistens „Nein“. Und genau da liegt das Risiko. Beim Betätigen der Spültaste entsteht ein feiner Wasserstrahl, der nicht nur das Innere der Schüssel reinigt, sondern winzige Partikel und Aerosole in die Luft schleudert. Wissenschaftler nennen das den „Aerosol-Plume“.

Diese Sprühtröpfchen sind für das menschliche Auge unsichtbar, aber sie landen überall: auf Handtüchern, den Badezimmermöbeln – und direkt auf den Borsten Ihrer offenstehenden Zahnbürste. Die Mikroben aus der Toilettenschüssel finden so den direkten Weg in Ihren Mund.
Zwei Orte, die sofort tabu sind
In meiner Recherche habe ich festgestellt, dass es zwei klassische Aufbewahrungsorte gibt, die besonders problematisch sind:
- Das offene Glas am Waschbeckenrand: Wenn es direkt neben dem WC steht (typisch für kleine Bäder), fängt es die meisten Partikel ab. Die feuchten Borsten sind ein idealer Nährboden.
- Die Ablage unter dem Spiegel (ohne Schrank): Hier zirkuliert die feuchte Luft am besten. Selbst wenn Sie den Deckel schließen, verdampft Wasser aus dem WC-Becken kontinuierlich, und Bakterien verteilen sich im geschlossenen Raum.
Merken Sie sich: Die feuchte, warme Umgebung im Bad ist ohnehin ideal für Keime. Führen Sie ihnen nicht auch noch aktiv Fäkalbakterien zu.
Die Profi-Lösung: Wohin mit der Zahnbürste?
Es gibt zwei einfache, aber effektive Maßnahmen, mit denen Sie dieses Risiko auf ein Minimum reduzieren. Es geht darum, die Zahnbürste aktiv vor Luftbewegung und Spritzwasser zu schützen. Ein Blick in moderne Bad-Kataloge (zum Beispiel von kika oder XXXLutz) zeigt, dass die meisten hygienischen Aufbewahrungsmethoden auf Abdeckung setzen.
Die 3 goldenen Regeln für die Mund-Hygiene:
- Regel 1: Ab in den Schrank. Der beste Ort ist ein geschlossener Spiegelschrank oder eine hohe, trockene Schublade. Wichtig: Die Zahnbürste muss aufrecht stehen, damit das Wasser ablaufen kann.
- Regel 2: Der atmungsaktive Schutz. Wenn Sie keinen Schrank haben, nutzen Sie spezielle Zahnbürsten-Kappen. Achten Sie darauf, dass diese kleine Lüftungslöcher haben. Ist die Kappe komplett dicht, schließt sie die Feuchtigkeit ein und fördert erst recht das Bakterienwachstum.
- Regel 3: WC-Deckel zur Gewohnheit machen. Schließen Sie ausnahmslos den Deckel, bevor Sie spülen. Diese Gewohnheit ist kostenlos und reduziert die Aerosole um über 90 %.
Noch ein Tipp aus meiner eigenen Erfahrung: Ich habe beobachtet, dass die meisten Menschen in Österreich ihre Zahnbürsten im Dreier- oder Viererpack in einem Glas haben. Stehen die Borstenköpfe dicht zusammen, übertragen sich Bakterien auch von Kopf zu Kopf. Sorgen Sie für Abstand, so gut es geht.

Wann muss die Bürste wirklich weg?
Der Aufbewahrungsort ist die halbe Miete. Die andere Hälfte ist der korrekte Wechselrhythmus. Viele von uns schmeißen die Bürste erst weg, wenn die Borsten abstehen, um ein paar Euro zu sparen. Das ist falsch.
Zahnärzte weltweit sind sich einig: Wechseln Sie die Zahnbürste alle drei Monate. Warum? Mit der Zeit verliert das Material an Elastizität und die Borsten werden runder – die Reinigungsleistung sinkt deutlich. Noch wichtiger: Nach einer durchgemachten Erkältung, Grippe oder Mandelentzündung sollten Sie die alte Bürste sofort in den Müll geben. Sie ist eine Keimquelle, die eine Neuansteckung fördern kann.
Ein bisschen gesunder Paranoia schadet hier nicht. Die Umstellung der Routinen (Deckel schließen, Bürste verstecken) ist minimal, der potenzielle gesundheitliche Gewinn aber enorm.
Wie lagern Sie Ihre Zahnbürsten? Haben Sie in Ihrem Bad genug Platz für eine wirklich hygienische Lösung, oder mussten Sie improvisieren?

