Warum erfahrene Gärtner ihre Zimmerpflanzen im Winter nur halb so viel gießen

Warum erfahrene Gärtner ihre Zimmerpflanzen im Winter nur halb so viel gießen

Haben Sie auch das Gefühl, dass Sie Ihren Pflanzen gerade besonders viel Liebe schenken müssen, weil draußen der Winter tobt? Zwischen Plätzchenbacken und Weihnachtsdeko greifen viele von uns fast automatisch zur Gießkanne. Doch diese gut gemeinte Routine ist der häufigste Fehler, der unsere grünen Mitbewohner im Jänner und Februar fast umbringt. Das Problem ist nicht zu wenig Wasser, sondern das Gegenteil: zu viel Zuneigung zur falschen Zeit. Hier erfahren Sie, warum Ihre Gießroutine jetzt katastrophale Folgen haben kann und was Sie stattdessen tun müssen, damit Ihre Pflanzen nicht ertrinken.

Der Schockzustand des Winters: Warum Ihre Pflanze auf Sparflamme läuft

Der Winter ist für unsere Zimmerpflanzen keine gemütliche Zeit, sondern eine Phase tiefster Ruhe. Viele übersehen, dass die Pflanzen, die im Sommer durstig waren und ständig wuchsen, jetzt in eine Art Schlafmodus wechseln. In Fachkreisen nennt man das Dormanz.

Die Aktivität der Pflanze reduziert sich drastisch:

  • Die Wachstumsrate stoppt fast vollständig.
  • Die Photosynthese läuft stark verlangsamt ab.
  • Der Wasserbedarf sinkt auf ein Minimum.

In meiner Praxis erlebe ich oft, dass Hobbygärtner diesen natürlichen Rhythmus ignorieren. Sie bemerken die trockene Heizungsluft in der Wohnung – die Luftfeuchtigkeit in Wien oder Graz fällt im Winter teils dramatisch ab – und versuchen, dies mit mehr Wasser im Topf auszugleichen. Fatal! Die Pflanze verdunstet zwar über die Blätter etwas mehr Feuchtigkeit, benötigt aber intern viel weniger Wasser als im Sommer. Wer jetzt nach Sommer-Schema gießt, ertränkt die Wurzeln leise.

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Der stumme Killer: Sauerstoffmangel in der Erde

Die weit verbreitete Annahme „eine Pflanze braucht immer Wasser“ führt uns direkt zur Katastrophe. Stellen Sie sich vor, Sie müssten bei minus 5 Grad ein kochend heißes Schokoladengetränk trinken – das macht man einfach nicht. Genauso wenig möchte Ihre Pflanze im Schlafmodus mit Wasser überflutet werden.

Was genau passiert, wenn Sie zu viel gießen?

Die Wurzeln benötigen nicht nur Wasser, sondern auch Sauerstoff. Wenn die Erde ständig durchnässt ist, verdrängt das Wasser die Luftporen. Die Wurzeln ersticken dann langsam. Dies führt nicht nur zu Wurzelfäule, sondern macht die Pflanze auch extrem anfällig für Krankheitserreger wie Pilze.

Ich habe bemerkt, dass dies oft bei beliebten, robust wirkenden Pflanzen wie Ficus oder Yucca passiert, weil man fälschlicherweise annimmt, sie stecken alles weg. Achten Sie auf diese Alarmsignale:

  • Die Blätter werden gelb oder bekommen braune, matschige Flecken.
  • Die Stängel fühlen sich weich und matschig an.
  • Die Erde im Topf riecht unangenehm oder schimmelt leicht an der Oberfläche.
  • Der große Indikator: Die Erde bleibt tagelang nach dem Gießen nass.

Wenn das Substrat nach drei Tagen immer noch feucht ist, ist das ein klares Zeichen, dass Sie die Routine sofort ändern müssen.

Die Insider-Regel: 50 Prozent Wasser einsparen im Winter

Die goldene Regel lautet: Im Winter benötigen Zimmerpflanzen oft 50 Prozent weniger Wasser als in den Sommermonaten. Dies erfordert Disziplin und das Ablegen der „Gießen-am-Sonntag-Routine“. Ihr neuer bester Freund ist die Beobachtung.

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Die unschlagbare Methode: Der Finger-Test

Vergessen Sie komplizierte Messgeräte (obwohl ein Hygrometer auch hilfreich sein kann). Der beste und einfachste Trick, den mir ein alter Gärtner bei einem Baumarkt in Niederösterreich verraten hat, ist der Finger-Test. Er funktioniert immer und überall:

  1. Stecken Sie Ihren Zeigefinger etwa 2 bis 3 Zentimeter tief in die Blumenerde (bis zum zweiten Gelenk).
  2. Fühlt sich die Erde unterhalb der Oberfläche immer noch kühl und feucht an? Dann warten Sie mindestens zwei weitere Tage.
  3. Ist die Erde in dieser Tiefe trocken und bröselig? Dann ist es Zeit, zu gießen – aber mit Bedacht.

Achtung beim Gießen selbst: Geben Sie lieber nur so viel Wasser, dass die obere Erdschicht wieder feucht wird. Lassen Sie kein Wasser im Untersetzer oder Übertopf stehen. Wenn nach 15 Minuten immer noch Wasser in der Schale steht, schütten Sie es weg. Das ist Abwasser, das die Wurzeln ersticken würde.

Die unsichtbare Gefahr vermeiden: Zugluft und Heizkörper

Ein weiterer häufiger Fehler, den Hobbygärtner machen, ist, ihre Pflanzen direkt neben den laufenden Heizkörper zu stellen, in der Annahme, „es sei wärmer“. Das Gegenteil ist der Fall: Die extreme Trockenheit und heiße Luft schädigen die Blätter.

Was Sie im Jänner zusätzlich tun sollten:

  • Bewegen Sie die Pflanze von direkten Heizquellen weg.
  • Lüften Sie regelmäßig, aber vermeiden Sie direkt auf die Pflanze gerichtete, eiskalte Zugluft.
  • Besprühen Sie die Blätter mit destilliertem Wasser (Brunnenwasser aus dem Wasserhahn in Österreich kann sehr kalkhaltig sein). Das erhöht die Luftfeuchtigkeit, ohne die Wurzeln zu überfordern.
  • Drehen Sie den Topf alle paar Wochen etwas, damit die Pflanze gleichmäßig Licht bekommt.

Indem Sie die Gießfrequenz reduzieren und die Töpfe vom Heizkörper wegbewegen, schenken Sie Ihren Pflanzen die Winterruhe, die sie dringend benötigen. Sie machen buchstäblich weniger und erreichen damit mehr. Im Frühling werden diese Pflanzen viel vitaler und blütenreicher in die neue Saison starten.

Haben Sie in diesem Winter auch schon die Erfahrung gemacht, dass Ihre Pflanze plötzlich gelbe Blätter bekam? Verraten Sie uns, welche Methode bei Ihnen am besten funktioniert, um das Gießen im Winter zu kontrollieren!

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