Der 6. Jänner ist vorbei, die Feiertage sind Geschichte, und im Wohnzimmer steht er: der ausgediente Christbaum. Viele Österreicher neigen dazu, ihn „schnell noch“ im Kamin oder Holzofen zu verbrennen, um ihn loszuwerden und gleichzeitig Heizkosten zu sparen. Lassen Sie mich Ihnen sagen: Das ist ein verheerender Fehler. Ich habe in meiner Praxis gesehen, wie schnell dieses scheinbar harmlose „Recycling“ zu einem Notfall führen kann. Die Gefahr, die im trockenen Baum lauert, wird von den meisten völlig unterschätzt.
Der unsichtbare Brandbeschleuniger: Warum Nadelholz im Kamin zur Falle wird
Wir neigen dazu zu denken: Holz ist Holz. Aber bei Weihnachtsbäumen, meist Fichten oder Tannen, verhält es sich völlig anders als bei gut gelagertem Buche oder Eiche. Diese Bäume sind buchstäblich mit einer Zeitbombe gefüllt.
Die „Sprengkraft“ des Harzes
Ein Christbaum, der wochenlang im geheizten Wohnzimmer stand, ist extrem trocken. Sein größtes Problem ist das Harz. Wenn dieses Harz im Ofen schnell erhitzt wird, verdampft es schlagartig. Die Folge kennen wir als „harte Verbrennung“ oder sogar kleine Explosionen im Brennraum. Das führt nicht nur zu unkontrollierbaren, meterhohen Flammen, sondern schleudert auch Funken in den gesamten Schornstein.
- Die Nadeln verbrennen viel zu schnell und erzeugen einen explosiven Rauchstoß.
- Die plötzliche Hitze kann gusseiserne Öfen oder Kamineinsätze beschädigen.
- Funken fliegen ungehindert in den Schlot und suchen dort nach Ablagerungen.
Deshalb warnen Kaminkehrer in Wien und ganz Österreich jedes Jahr eindringlich davor: Diese Funken sind auf der Suche nach Ruß. Und genau hier kommt das zweite große Problem ins Spiel.

Das Kreosot-Dilemma: Warum Christbaumharz den Schornstein verklebt
Der unmittelbare Brand ist nur ein Teil des Risikos. Das größere, langfristige Problem ist die Verschmutzung. Wenn Nadelholz mit seinem hohen Harzgehalt unvollständig verbrennt, entsteht ein klebriger, teerartiger Rückstand, genannt Kreosot. Dieses Zeug ist der Erzfeind jedes Schornsteins.
In meiner Erfahrung bemerke ich oft, dass viele Hausbesitzer den jährlichen Kehrtermin bis zum Frühjahr aufschieben. Wenn Sie dann aber nach den Feiertagen Harz verbrennen, verklebt dieser Rußfilm in Rekordzeit die Wände Ihres Kamins. Kreosot ist extrem brennbar.
Es funktioniert wie ein Brandbeschleuniger im Schornstein selbst. Wenn eine Funkenexplosion (aus dem nächsten Christbaumstück) auf dieses Kreosot trifft, haben Sie einen Schornsteinbrand, der nur schwer zu löschen ist und Ihr gesamtes Haus gefährdet. Das Risiko ist unverhältnismäßig hoch, nur um ein paar Minuten lang „kostenlos“ zu heizen.
Was Kaminprofis stattdessen raten
Halten Sie sich an trockenes Hartholz (Buche, Eiche, Esche). Diese brennen langsamer, sauberer und produzieren weniger klebrige Rückstände. Auch wenn es in der Steiermark verlockend ist, schnell Brennmaterial zu bekommen – dieses Risiko lohnt sich nicht.
Die Smarte Alternative: So wird der Christbaum in Österreich recycelt und nützlich
Geben Sie den Baum nicht dem Feuer, sondern Ihrem Garten. Anstatt eine Katastrophe zu riskieren, können Sie den Tannenbaum auf drei sehr nützliche Arten recyceln, die auch Ihrem Hochbeet oder den Pflanzen im Garten helfen.
Spezielle Sammelstellen nutzen

Die meisten österreichischen Gemeinden, ob in Salzburg oder Vorarlberg, bieten im Jänner spezielle Sammelaktionen an. Die Bäume werden dort professionell gehäckselt und landen oft im städtischen Kompost oder als Mulch in Parkanlagen. Das ist der einfachste, sicherste und ökologischste Weg. Machen Sie den Baum nur nackt (kein Lametta, keine Haken!).
Die Christbaum-Schutzdecke für das Beet
Ich habe gemerkt, dass viele Gartenbesitzer die ätherischen Öle des Baumes für sich nutzen. Schneiden Sie die Äste ab und verwenden Sie sie als natürlichen Frostschutz für empfindliche Stauden, Rosen oder Kräuterbeete. Das funktioniert besonders gut in den kälteren Regionen Tirols.
- Die Äste legen Sie auf den Boden. Sie dienen als isolierende Schicht.
- Sie verhindern, dass der Boden bei starkem Frost austrocknet.
- Die Tannennadeln, die langsam verrotten, säuern den Boden leicht an, was vor allem Rhododendren und Heidelbeeren lieben.
Der Stamm als Rankhilfe oder Insektenhotel
Der dicke Stamm am Ende hat den größten Wert. Verwenden Sie ihn nicht als Brennholz. Schneiden Sie ihn stattdessen in etwa 1,5 Meter lange Stücke. Im Frühjahr, wenn Sie Ihre Tomaten oder Bohnen pflanzen, fungiert der Ast-freie Stamm als robuste und kostenlose Rankhilfe. Alternativ können Sie kleinere Stücke aufbohren und sie als Bausteine für ein kleines Insektenhotel im Garten verwenden – ein Gewinn für die Artenvielfalt.
Bevor Sie also zur Axt greifen, um den Baum in den Ofen zu stopfen, denken Sie an das Kreosot und die Harz-Funken. Ein kleiner Ausflug zur Sammelstelle oder ein wenig Arbeit im Garten spart Ihnen im schlimmsten Fall einen teuren Feuerwehreinsatz und im besten Fall wertvolle Schutzkohle für Ihr Beet.
Wie entsorgen Sie dieses Jahr Ihren Christbaum? Teilen Sie Ihre besten Tipps zur Wiederverwertung in den Kommentaren!

