Hand aufs Herz: Die Suche nach dem perfekten Weihnachtskeks ist in Österreich fast schon ein Nationalsport. Meistens stolpern wir über Vanillekipferl, aber sie sind oft zickig, brechen beim Formen oder werden nach dem Backen trocken. Das Ergebnis? Frustration statt festlicher Freude.
Aber ich habe eine Entdeckung gemacht. Es gibt eine Sorte Plätzchen, die die zarten Kipferl mühelos in den Schatten stellt. Sie sind einfacher, schneller – und zergehen buchstäblich auf der Zunge. Sie heißen „Traumstücke“, und das wichtigste Geheimnis liegt in exakt fünf Eigelben.
Der Vanillekipferl-Fluch und warum „Traumstücke“ die Lösung sind
Wenn ich mit Wiener Kollegen oder Bäckern aus der Steiermark spreche, höre ich immer wieder das Gleiche: Vanillekipferl sind eine Diva. Sie brauchen die richtige Raumtemperatur, die perfekte Mehlmischung und viel Feingefühl. Wenn Sie aber Weihnachtsbacken stressfrei halten wollen (wer will das nicht?), brauchen Sie ein Rezept, das verzeiht.
Traumstücke sind der Retter in der Not. Sie verwenden eine ähnliche, vertraute Basis – Butter, Mehl, Zucker – legen aber den Fokus auf eine cremige Sättigung, die durch eine ungewöhnlich hohe Menge an Eigelb entsteht. Das macht sie nicht nur intensiver im Geschmack, sondern auch unglaublich zart.
Die Formel für Zartheit: Deshalb sind genau 5 Eigelb entscheidend
Viele Hausbäcker unterschätzen die Rolle des Eigelbs abseits der Bindung. Das Eigelb liefert Fett und Emulgatoren, die den Teig geschmeidiger machen und die Glutenentwicklung hemmen. Das Ergebnis? Ein Gebäck, das nicht zäh wird, sondern mürbe zerfällt.
Der Profi-Tipp: Wenn Sie 5 Eigelb auf die klassische Menge Mehl verwenden, erreichen Sie eine Textur, die fast schon an feinstes Sandgebäck erinnert. Wir wollen ein Plätzchen, das sich anfühlt, als wäre es nur aus Zuckerwatte und Vanille gemacht.
- Fokus auf Fett: Eigelb erhöht den Fettgehalt ohne viel Flüssigkeit.
- Intensiver Geschmack: Es intensiviert das Aroma der Vanille und der Butter.
- Perfekter Biss: Es sorgt dafür, dass die Plätzchen nicht reißen oder austrocknen, selbst wenn sie einen Moment zu lange im Ofen bleiben.

Das Geheimrezept: Von der Mühlviertler Küche auf den Weihnachtsteller
Hier ist das exakte Rezept, das ich in meiner Praxis als schnellste und leckerste Alternative zu Vanillekipferl entdeckt habe:
Zutaten (für mindestens 2 Bleche)
- 250g Mehl (am besten glattes Mehl aus der lokalen Mühle)
- 150g Zucker (oder 130g, wenn Sie Vanillezucker verwenden)
- 250g weiche Butter in Stücken
- 5 Eigelb (Zimmertemperatur!)
- Mark von 2 Vanilleschoten oder 2 Päckchen Vanillezucker
- 100g Puderzucker zum Bestäuben
Schritt-für-Schritt-Anleitung: Der „Smart Click“ zur Zartheit
1. Vorbereitung ist die halbe Miete:
Heizen Sie den Ofen auf 180 °C Ober-/Unterhitze (160 °C Umluft) vor. Sieben Sie das Mehl. Das ist kein alter Oma-Trick, sondern sorgt für Luftigkeit. Geben Sie Butter, Zucker und Eigelbe hinzu.
2. Der Vanille-Schock:
Jetzt kommt die Essenz. Kratzen Sie das Mark aus den Vanilleschoten (Achten Sie darauf, dass Sie wirklich hochwertiges Vanillearoma bekommen – Fake-Vanillin sollten Sie meiden, gerade zu Weihnachten). Mischen Sie alles zu einem homogenen Teig.
3. Die richtige Form:
Teilen Sie den Teig in faustgroße Portionen. Rollen Sie jede Portion zu einer langen Rolle mit einem Durchmesser von 2 bis 3 cm. Dann schneiden Sie mit einem scharfen Messer 2 cm dicke Scheiben ab – diese Form ist das Markenzeichen der Traumstücke.
4. Backen im Zwei-Takt:
Legen Sie die Hälfte der Stücke auf ein Blech (mit ausreichend Abstand, sie gehen geringfügig auf). Backen Sie sie exakt 15 Minuten, bis sie nur leicht goldgelb sind. Überwachen Sie die Farbe – das A und O für Mürbteig. Backen Sie danach die zweite Fuhre.

5. Der „Lauwarme“ Trick (Praktischer Tipp):
Obwohl Sie sie später mit Puderzucker bestäuben müssen: Nehmen Sie ein oder zwei Stücke vom Blech, sobald sie abgekühlt genug sind, um sie anzufassen. Das leicht warme Aroma ist einfach unvergleichlich. Erst wenn die Plätzchen vollständig kalt sind, bestäuben Sie diese großzügig.
Variation: Wie Sie Ihre Traumstücke regional aufpeppen
Das Schöne daran: Die simple Basis ist perfekt für individuelle Abwandlungen. Ich habe drei Varianten für Sie, die in Österreich besonders gut ankommen:
- Zitrus-Schwung: Gerade in der Vorweihnachtszeit sehnen wir uns oft nach Frische. Reiben Sie die Schale einer Bio-Zitrone oder Orange ab.
Achtung: Nur das Gelbe/Orange, das Weiße macht den Keks bitter.
Ein Teelöffel reicht. - Burgenländer Nuss-Aroma: Lieben Sie Marzipan oder Mohn? Geben Sie ein bis zwei Tropfen Mandelaroma oder eine Prise gemahlenen Mohn zum Teig. Das verleiht den Traumstücken einen intensiven, fast schon traditionellen Geschmack.
- Salzburger Schoko-Kick: Ersetzen Sie 30 g des Mehls durch hochwertiges Kakaopulver. Das ergibt dunkle, schokolierte Traumstücke mit Vanille-Herz.
Fazit: Weniger Aufwand, mehr Geschmack
Jedes Jahr kämpfen wir in Österreich mit den Tücken der Vanillekipferl-Bäckerei. Die „Traumstücke“ bieten eine goldene Mitte: Traditioneller Geschmack, aber eine viel zartere Textur und eine Zubereitung, die auch gestresste Eltern oder Back-Anfänger vor Weihnachten nicht zur Verzweiflung bringt.
Haben Sie diese Traumstücke schon einmal probiert? Oder setzen Sie auf eine ganz andere Geheimwaffe in Ihrer Keksbox?

