Sie sind bunt, sie haben lächelnde Bären oder Dinos darauf: Die Rede ist von Kinderwurst. Aber ich habe eine erschreckende Entdeckung gemacht, die Sie als Elternteil jetzt unbedingt wissen müssen. Beim Blick auf die Nährwerttabelle verbirgt sich hinter der fröhlichen Aufmachung eine echte Gesundheitsfalle: Fast 80 Prozent der Wurstwaren mit Kinderoptik überschreiten die strengen WHO-Grenzwerte für Salz.
Das ist keine Kleinigkeit. Wir reden hier nicht nur von einem kleinen Schönheitsfehler. Zu viel Salz in jungen Jahren kann langfristig zu ernsten Problemen führen – von Bluthochdruck bis hin zu Nierenerkrankungen. Sie müssen das lesen, denn es geht darum, die Weichen für die gesunde Ernährung von morgen zu stellen.
Das erschreckende Ausmaß: Was die aktuellen Lebensmittel-Tests wirklich zeigen
Das Max-Rubner-Institut (MRI) hat in seinem neuesten Produktmonitoring klar festgestellt: Die Salzfalle schnappt zu. Die Richtwerte der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Kinder zwischen zwei und 15 Jahren liegen bei nur maximal zwei Gramm Salz pro Tag.
Wenn ich mir anschaue, wie schnell dieses Limit erreicht ist, wird mir mulmig. Eine einzige Scheibe dieser beliebten Bärchenwurst enthält bereits 0,1 Gramm Salz. Wenn man dann noch Brot, Käse und andere Snacks hinzurechnet, ist die Hälfte der Tagesdosis schneller weg, als Sie „Jause” sagen können.
- Wurstwaren: Rund 80 Prozent überschreiten die WHO-Grenzwerte.
- Fleischersatzprodukte (in Kinderoptik): 78 Prozent liegen über dem Limit.
- Kalte Soßen (Ketchup, etc.): Hier erfüllt laut Bericht die WHO-Kriterien.
Wir füttern unsere Kinder unwissentlich mit zu viel Salz, weil die Lebensmittelindustrie es uns als „kindgerecht” verkauft. In Österreich sehe ich diese Produkte in jedem Supermarkt, von Billa bis Spar. Ihre Kinder sehen die lustigen Figuren – und das ist das Problem.

„Wir verbauen ihnen die Chance auf gesunde Ernährung“
Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Sie schauen nicht auf die Rückseite der Verpackung. Sie sehen die Superhelden vorne. Astrid Goltz vom Verbraucherzentrale Bundesverband bringt es auf den Punkt: „Es dauert ziemlich lange, bis Kinder zwischen Werbung und Information unterscheiden können.”
In meiner journalistischen Praxis stelle ich fest: Viele Eltern verlassen sich blind auf die „Kinder“-Kennzeichnung. Das ist ein Trugschluss. Wenn Kinder schon im Kindergartenalter an übersalzene Wurst gewöhnt werden, schmeckt ungewürztes, frisches Gemüse später einfach fade. Wir programmieren ihre Geschmacksknospen auf „salzig”.
Stellen Sie sich vor: Das Kind mag keine Karottensticks, aber liebt die fettigen, salzigen Chicken-Nuggets. Das ist die logische Folge einer verfehlten Ernährungsstrategie, die uns von der Industrie aufgezwungen wird.
Der Insider-Tipp: So gelingt das „Geschmacksknospen-Reset”
Die Lebensmittelindustrie argumentiert oft, Salz sei wichtig für die Haltbarkeit und Konservierung, besonders bei Wurst. Das mag stimmen, aber Experten wie Prof. Dr. Heribert Schunkert halten diese Argumentation auch für einen bequemen Vorwand, denn mehr Salz führt eben auch zu einem höheren „Wohlgeschmack” – und damit zu mehr Kauf.
Die gute Nachricht: Der Teufelskreis lässt sich durchbrechen. Ihre Geschmacksknospen – und die Ihrer Kinder – sind trainierbar. Über Wochen und Monate hinweg gewöhnen sie sich an weniger Salz.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: Weniger Salz in der Jause
Das Ziel ist, von Anfang an die Gewöhnung an hohe Salzmengen zu vermeiden. Johanna Conrad von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sagt es deutlich: “Von Anfang an hauptsächlich unverarbeitete Produkte verzehren.”

So starten Sie das Geschmacks-Reset bei Ihrem Kind (und sich selbst):
- Der 3-Wochen-Plan: Reduzieren Sie den zusätzlichen Salzkonsum alle drei Wochen ein wenig. Wenn Sie plötzlich alles umstellen, rebelliert das Gehirn. Gehen Sie schrittweise vor.
- Der Küchen-Trick: Kaufen Sie keine Fertiggewürz-Mischungen mehr. Darin ist meist viel verstecktes Salz. Verlassen Sie sich stattdessen auf frische Kräuter (Petersilie, Schnittlauch) und Gewürze (Pfeffer, Paprika).
- Versteckte Fallen checken: Kalte Soßen, Käse und vor allem Würstchen sind oft die größten Salzquellen. Ersetzen Sie eine Scheibe Kinderwurst pro Tag durch hausgemachten Aufstrich oder frischen Käse ohne Zusätze.
- Auf Qualität setzen: Beim Brotbacken oder im Backshop: Fragen Sie nach dem Salzgehalt. Bei Kleingebäck für Kinder werden die Werte meist besser eingehalten, aber Wachsamkeit ist wichtig.
Das ist keine Diät, sondern eine Umerziehung. Es geht darum, dass die Kinder den echten Geschmack von Lebensmitteln kennenlernen, bevor die Industrie ihn mit unnötigem Salz überdeckt.
Die politische Forderung: Gesunde Ernährung beginnt in der Kita
Die größte Chance zur Prävention liegt dort, wo die Kinder den Großteil ihres Tages verbringen: in Kitas und Schulen. CD-Politiker fordern hier einen radikalen Kurswechsel, denn dort könnte eine salzarme Ernährung zur Normalität werden.
Die DGE hat bereits Qualitätsstandards für Kantinen entwickelt, die Salzvorgaben enthalten. Wenn Kantinen sich daran halten, bieten sie automatisch gesündere Kost. Für die Politik ist das eine „Generationenverantwortung“.
Die Quintessenz für Sie: Lassen Sie sich nicht vom bunten Verpackungsdesign täuschen. Wenn die Verpackung „extra für Kinder“ ist, sollten bei Ihnen die Alarmglocken läuten. Vergleichen Sie die Nährwerte und entscheiden Sie sich so oft wie möglich für unverarbeitete Produkte.
Haben Sie selbst schon einmal versucht, den heimischen Salzkonsum drastisch zu reduzieren? Wie lange hat es gedauert, bis Sie sich daran gewöhnt haben?

