Mitten im Winter, wenn in ganz Österreich die Heizungen auf Hochtouren laufen, begehen viele von uns einen Fehler, der unsere Zimmerpflanzen gefährdet. Aus Gewohnheit reduzieren wir das Gießen, weil wir denken, dass die kalte Jahreszeit eine Ruhephase ist und die Pflanzen weniger Wasser benötigen.
Aber hier lauert die Falle: Manche Pflanzen gehen eben nicht in den Winterschlaf. Sie verlangen, gerade wegen der trockenen Heizungsluft, sogar mehr Aufmerksamkeit und vor allem mehr Feuchtigkeit. Warum dieses Paradoxon? Und welche tropischen Schönheiten leiden im bayerischen Wohnzimmer am meisten?
Der unsichtbare Feind: Was die Heizung im Wohnzimmer wirklich verändert
Warum die Luftfeuchtigkeit wie von Zauberhand verschwindet
In gut geheizten Wohnungen (gerade in Altbauten mit intensiver Zentralheizung) ist es zwar warm, aber ein stiller Prozess stört das natürliche Gleichgewicht: Die Heizung trocknet die Raumluft drastisch aus. Die relative Luftfeuchtigkeit kann schnell unter 40 % fallen. Zum Vergleich: In den Tropenwäldern, der Heimat vieler unserer Zimmerpflanzen, liegen die Werte bei 60 % bis 70 %.
Diese extreme Trockenheit beschleunigt die sogenannte Evapotranspiration – den Wasserverlust über Blätter und Erde. Auch wenn die Sonne in Wien oder Graz weniger scheint: Die Kombination aus starker Heizung und trockener Luft lässt Ihre Pflanzen manchmal stärker „schwitzen“ als im Hochsommer!
Die Warnsignale: So erkennen Sie durstige Pflanzen trotz Kälte
Verlassen Sie sich nicht auf die Außentemperatur. Pflanzen, die nahe an einem Heizkörper oder in der Nähe eines sonnigen Fensters stehen, zeigen schnell Anzeichen von Dehydrierung. Ich habe in meiner Praxis beobachtet, dass viele diese Signale im Winter gerne übersehen:
-
Blätter werden schlaff, rollen sich ein oder bekommen zerknitterte Ränder.
-
Spitzen werden braun oder gelblich (oft das erste Zeichen bei Calatheas!).
-
Die Erde ist nicht nur oben trocken, sondern auch beim Finger-Test staubtrocken.
-
Es gibt keinen Neuaustrieb oder die Stiele fühlen sich weich/labberig an.
Diese Symptome sollten Sie gerade jetzt, wenn wir viel Zeit drinnen verbringen, unbedingt ernst nehmen, bevor der Stress unumkehrbar wird.

Weg mit den Mythen: Diese drei tropischen Pflanzen sind im Winter durstiger
Während Kakteen und Sukkulenten die Winterpause genießen, fordern einige Diven der Zimmerpflanzenwelt volle Aufmerksamkeit. Das sind Pflanzen, die aus feuchten, tropischen Gebieten stammen und keine Ruheoase kennen:
1. Die Calathea (Korbmarante)
Die Calathea mit ihren wunderschönen Mustern ist empfindlich gegen Trockenheit. Sie verlangt einen ständig leicht feuchten Boden. Wenn die Heizung läuft, verdunstet das Wasser viel schneller, weshalb das Gießintervall im Winter oft kürzer, nicht länger, sein muss. Vergisst man sie im Dezember, zeigen sich sofort die typischen braunen Ränder.
2. Die Alocasia (Pfeilblatt)
Ähnlich verhält es sich mit der Alocasia. Ihr großer, dünneres Laub bietet eine riesige Verdunstungsfläche. Sie mag es überhaupt nicht, wenn ihr Substrat komplett austrocknet. Bei trockener Heizungsluft kann es passieren, dass die Blätter innerhalb weniger Tage erschlaffen oder braun werden.
3. Boston-Farn und Maranta
Alle Farne, insbesondere der beliebte Boston-Farn, sind Feuchtigkeitsfanatiker. Sie haben feine, dünne Blätter, die keine Trockenheit verzeihen. Auch die Maranta gehört in diese Kategorie. Diese Pflanzen benötigen das ganze Jahr über hohe Luftfeuchtigkeit; im Winter ist das wegen der Heizung eine echte Herausforderung.
Der smarte Gieß-Plan: So finden Sie das richtige Maß
Um Ihre Pflanzen glücklich durch den Winter zu bringen, ist Beobachtung das A und O. Ein Gießplan nach Kalender funktioniert nicht, weil die Bedingungen in jedem steirischen oder oberösterreichischen Haushalt anders sind.
Der einfache „Finger-Test“ für konstante Feuchtigkeit
Statt blindlings zu gießen oder sich nur auf einen Feuchtigkeitsmesser zu verlassen, machen Sie diesen einfachen Test:
-
Stecken Sie einen Finger etwa zwei Zentimeter tief in die Erde.
-
Wenn die Erde sich dort trocken anfühlt, ist es Zeit für Wasser, speziell bei Calatheas und Alocasias.

-
Fühlt sich die Erde noch kühl und leicht feucht an, warten Sie noch einen Tag.
Wichtig: Gießen Sie immer ausreichend, bis das Wasser unten aus dem Topf läuft. Entleeren Sie aber den Untersetzer nach 15 Minuten, um Staunässe zu verhindern.
Der Lifehack gegen trockene Heizungsluft
Ein einfacher Trick, der die tropischen Pflanzen liebt, ist die Bildung einer „Mini-Klima-Zone“:
-
Gruppieren Sie Ihre Pflanzen: Stellen Sie Ihre Calatheas, Farne und Alocasias nah zusammen. Sie geben gemeinsam Feuchtigkeit ab und bilden so eine bessere Mikroklima-Umgebung.
-
Der Untersetzer-Trick: Stellen Sie die Töpfe auf Untersetzer, die mit feuchtem Blähton oder Kieselsteinen gefüllt sind. Das Wasser verdunstet und erhöht die Luftfeuchtigkeit direkt um die Pflanze herum, ohne dass die Wurzeln Staunässe bekommen (der Topf darf das Wasser nicht berühren).
-
Standort-Wechsel: Stellen Sie empfindliche Pflanzen nicht direkt über oder neben einem Heizkörper an der Wand.
Die klassische Winter-Falle: Zuviel Wasser aus Angst vor Trockenheit
Wir haben gelernt: Mehr Wasser im Winter ist oft richtig. Aber es muss das richtige Maß sein. Ein häufiger Fehler ist das „Angst-Gießen“, das zum gegenteiligen Problem führt: Obwohl die Pflanzen im warmen Wohnzimmer schneller verdunsten, wachsen sie wegen des fehlenden Lichtes langsamer.
Die goldene Regel: Die Erde soll feucht sein, aber niemals nass oder matschig! Zu viel Wasser führt zu Wurzelfäule – die schlimmste Todesursache für Zimmerpflanzen. Sie erkennen das an plötzlich gelb werdenden Blättern, die nicht vertrocknet, sondern weich sind, und einem unangenehmen, fauligen Geruch aus der Erde.
Wenn Sie Ihre Pflanzen aufmerksam beobachten, das Substrat prüfen und die Luftfeuchtigkeit anpassen, steht einem gesunden, grünen Winter nichts im Wege.
Welche Ihrer Zimmerpflanzen hat diesen Winter die größte Extravaganz in Sachen Wasserbedarf gezeigt?

