Frieren Sie schon beim Gedanken daran, im Jänner Ihre Fenster weit zu öffnen? Dieses Gefühl kenne ich nur zu gut. Aber in meiner Praxis als jemand, der sich intensiv mit Wohnraumklima beschäftigt, habe ich eines gelernt: Die Angst vor der Kälte ist oft teurer als die Kälte selbst.
Die meisten Menschen in Österreich machen im Winter einen gravierenden Fehler: Sie lüften nicht oder nur „auf Kipp“. Das Ergebnis? Die Luft in Ihrem Zuhause kann fünfmal schlechter sein als draußen. Und genau das ist der Grund, warum Sie diesen Artikel unbedingt sofort lesen sollten.
Der größte Irrtum: Warum „auf Kipp“ lüften Ihre Wohnung krank macht
Wir schließen Türen und Fenster, dichten alles ab und drehen die Heizung auf. Logisch, oder? Aber in dieser hermetisch verschlossenen Umgebung passiert etwas Ungutes. Tägliche Aktivitäten wie Kochen, Duschen und sogar Atmen pumpen Unmengen an Feuchtigkeit und unsichtbaren Schadstoffen in die Raumluft.
Viele übersehen, dass die Luft im Winter nicht nur kalt, sondern auch extrem trocken ist (wenn sie von außen kommt). Wenn Sie nicht lüften, wird Ihre Wohnung zu einem idealen Brutkasten für drei große Probleme:

- Feinstaub und Viren: Die Konzentration von Keimen, wie Grippeviren, steigt rapide an.
- Schimmel an kalten Wänden: Feuchtigkeit schlägt sich am liebsten an kalten Ecken im Schlafzimmer oder hinter dem Kasten nieder. Schimmel ist nicht nur hässlich, sondern ein echter Gesundheitskiller.
- Versteckte Gifte: Möbel, Reinigungsmittel und Teppiche geben flüchtige organische Verbindungen (VOCs) ab. Ohne Frischluft atmen Sie diesen Cocktail direkt ein.
Ich habe bemerkt, dass gerade ältere Menschen, die viel Zeit in den eigenen vier Wänden verbringen, besonders unter dieser schlechten Innenraumluft leiden. Kopfschmerzen, Müdigkeit und Reizungen der Atemwege sind oft die Folge—aber niemand denkt ans Lüften.
Der „Stoßlüftungs-Code“: 10 Minuten, zwei Mal am Tag
Der Schlüssel liegt im sogenannten „Stoßlüften“. Hier kommt der spezielle Lifehack, der Energie spart und trotzdem die Luft erneuert:
So lüften Profis in den Wiener Altbauwohnungen (und überall sonst):
- Stellen Sie die Heizkörper ab: Das ist der wichtigste Schritt. Es ist unsinnig, die kalte Außenluft zu heizen. Drehen Sie die Ventile vor dem Öffnen der Fenster komplett zu.
- Öffnen Sie alle Fenster (Querlüften): Öffnen Sie gegenüberliegende Fenster (zum Beispiel Küche und Wohnzimmer) komplett. Schaffen Sie einen „Durchzug“. Dies funktioniert wie eine schnelle Spülung des Hauses.
- Stoppen Sie nach 5 bis 10 Minuten: Länger ist nicht nötig! Die verbrauchte, feuchte Warmluft entweicht sofort, aber die Wände und Möbel (der „Speicher“ der Wärme) kühlen in dieser kurzen Zeit nicht aus.
- Heizung wieder aufdrehen: Schließen Sie die Fenster und drehen Sie die Heizung wieder hoch. Die nun frische, aber kalte Luft heizt sich extrem schnell auf, da die gespeicherte Wärme in den Wänden hilft.
Im Gegensatz dazu vergeuden Sie beim stundenlangen „Kippen“ der Fenster nur unnötig Energie, da die Kälte die Wände langsam durchdringt und die Heizung ständig gegenan arbeiten muss. Stoßlüften ist der schnellste und effizienteste Weg, um frische Luft ins Innere zu bringen, ohne Ihre Energiekosten in die Höhe zu treiben!
Spezial-Tipps für kalte österreichische Winter
Gerade wenn eine eiskalte Nordfront über Oberösterreich oder die Berge zieht, ist Vorsicht geboten. Aber es gibt Nuancen, die Sie beachten sollten:

- Der Duschen-Trick: Nach dem Duschen ist der Feuchtigkeitsgehalt im Bad am höchsten. Öffnen Sie das Fenster sofort für 5 Minuten und schließen Sie danach die Badezimmertür, damit die feuchte Luft nicht in andere Räume zieht.
- Der Koch-Trick: Beim Kochen entstehen Dämpfe und Gerüche. Lüften Sie kurz, bevor oder direkt nachdem Sie das Essen fertig haben.
- Nicht zwischen 16 und 20 Uhr lüften: Im städtischen Raum (etwa Wien oder Graz) ist der Feinstaub und Smog-Gehalt oft in den späten Nachmittags- und frühen Abendstunden am höchsten. Versuchen Sie, auf den Vormittag oder Mittag auszuweichen.
Denken Sie daran: Auch wenn Sie im Bad ein modernes Kippfenster nutzen, um die Temperatur angenehm zu halten, ersetzt es niemals die Stoßlüftung! Ein Kippfenster kühlt nur einen kleinen Bereich der Wand um sich herum aus, was langfristig Schimmel fördern kann.
Finale: Atmen Sie besser, leben Sie gesünder
Regelmäßiges, kurzes Lüften ist keine Strafe, sondern eine Investition in Ihre Gesundheit und Ihren Geldbeutel. Es trägt dazu bei, dass Sie sich wohler fühlen, besser schlafen und die Verbreitung von Viren in Ihrem Haushalt reduzieren.
Probieren Sie den 10-Minuten-Trick morgen früh aus – Sie werden den Unterschied sofort riechen und fühlen.
Und Sie? Welche Strategien nutzen Sie, um das Lüften in den kältesten Monaten erträglich zu machen? Teilen Sie Ihre besten Tipps in den Kommentaren!

